Schmerzen


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze


Schmerzen früh erkennen

Das stille Leiden


Draußen in der Wildnis kann Schwächezeigen tödlich sein. Denn überall kann ein Fressfeind auf leichte Beute lauern oder ein Konkurrent  auf die Gelegenheit warten den Rivalen endgültig auszuschalten.

Daher versuchen kranke, schwache Wildtiere zu verbergen, dass sie nicht in Top-Form sind. Sie ziehen sich zurück, verstecken sich und leiden stumm. Selbst bei großen Schmerzen klagen und jammern sie selten.

Katzen haben sich viel von diesem Wildtiererbe bewahrt.
Nur beim ersten scharfen Schmerz hört man sie auf schreien, später vernimmt man nicht mehr als vielleicht ein leises Stöhnen.
Die meisten Katzen ziehen sich in eine Art Höhle zurück. Dort, so hat es ihnen ihr wildes Erbe zugeflüstert, können sie Angreifer trotz ihrer Schwäche abwehren und vielleicht unentdeckt in Ruhe genesen.
Was sich so nützlich in freier Wildbahn erweist, erschwert es Katzenbesitzern zu erkennen, wann ihre Schützlinge unter Schmerzen leiden und tierärztliche Hilfe brauchen. Dabei ist die schnelle medizinische Versorgung aus mehreren Gründen wichtig:


Ursachen finden
und ausschalten


Erstens, um die Ursache der Schmerzen rasch zu finden und, wenn möglich, auszuschalten. Und zweitens, und genau so wichtig, um dem Tier die Schmerzen zu nehmen. Denn Schmerzen können, wenn sie chronisch sind, selbst Krankheiten verursachen.
Der Schmerz an sich ist eine sinnvolle Einrichtung der Natur. Er warnt den Körper vor Gefahr. Der Schmerz, der die Katze durchfährt, wenn sie ihre Pfote auf die heiße Herdplatte legt, lässt sie zurückzucken und verhindert schwerere Verletzungen. Auch die Schmerzen, welche die Katze leidet, wenn sie die verbrannte Pfote aufsetzt, dienen der Genesung. Denn nur aufgrund der Schmerzen schont die Katze die Pfote.

Doch sobald der Schmerz diese Schutz- und Warnfunktion verliert und die Pfote auch dann weh tut, wenn die Katze sie schont, stört er die Heilung.





Schmerzen erhöhen die Herzfrequenz, beschleunigen die Atmung, mindern den Appetit und stören den Gesundheitsschlaf.
Sie können sich sogar verselbstständigen:
Leidet die Katze lange unter Schmerzen, entwickelt sich ein so genanntes Schmerzgedächtnis. Die Nervenbahnen, die normalerweise nichts mit der Schmerzempfindung zu tun haben, werden zu Schmerzbahnen und melden dem Gehirn Schmerzen, selbst wenn die Katze längst wieder geheilt ist.


Die Schmerzen können bleiben

Daher ist es so wichtig, bei den ersten Anzeichen von Schmerzen zum Tierarzt zu gehen, damit dieser rasch eingreifen   kann und so eine Verschlimmerung der Krankheit verhindern kann.

Schmerzmittel, die Sie der   Katze ohne Rücksprache mit
dem Tierarzt geben, richten in der Regel mehr Schaden an, als sie Nutzen bringen. Denn erstens verschleiern Sie mit Schmerzmitteln die Symptome, die den Tierarzt bei der Suche nach der Ursache der Krankheit auf die richtige Spur bringen, und zweitens reagieren Katzen auf Schmerzmittel anders als der Mensch.
So ist die für den Menschen relativ harmlose Acetylsalicylsäure (Aspirin) für Katzen giftig, wenn sie über einen längeren Zeitraum damit versorgt wird. Trotzdem ist Acetylsalicylsäure auch aus der medizinischen Versorgung der Katze
nicht wegzudenken. Aber sie gehört eben, übrigens wie alle Arzneimittel, in die Hände des Könners und nicht in die des Laien.


Was Sie selbst tun können


Abgesehen von der medizinischen Versorgung können Sie einiges tun, um das Leiden Ihrer Katze zu lindern. "Hören" Sie Ihrer Katze zu, und versuchen Sie zu ergründen, was sie sich wirklich wünscht. Sorgen Sie dafür, dass sie es in ihrem Versteck ruhig und warm hat. Übertriebene Fürsorge setzt die meisten Katzen nur unter Stress. Halten Sie andere Tiere und auch Kinder fern von ihr. Platzieren Sie Katzenklo, Futter und Wasser zwar getrennt voneinander, aber doch so, dass die kranke Katze sie leicht erreichen kann. Und bieten Sie ihr ein leichtbekömmliches, schmackhaftes Futter an, damit sie schnell wieder zu Kräften kommt.

Barbara Welsch,
Tierärztin

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