Kein Knochenbruch gleicht einem anderen


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

K nochenbrüche sind für die Katze selten lebensbedrohlich. Sie stellen aber trotzdem absolute Notfälle dar. Denn die Kräfte, die einen Knochen zum Brechen bringen, sind so gewaltig, dass auch immer andere Gewebe von ihnen in Mitleidenschaft gezogen werden. Muskeln, Sehnen und Bänder, die sich in nächster Nähe zu der Bruchstelle befinden, sind ausnahmslos mit verletzt. Wichtige Blutgefäße können zudem eingerissen und Nerven beschädigt sein.

Gefährlicher als die offensichtliche Fraktur sind zudem unsichtbare innere Verletzungen, die sich die Katze bei einem schweren Unfall zuziehen kann. Daher wird Ihr Tierarzt die Katze zunächst gründlich untersuchen und gegebenenfalls lebenserhaltende Maßnahmen ergreifen, bevor er sich um den Knochenbruch kümmert. Ist „nur" ein Knochen gebrochen, haben Katzen übrigens bessere Chancen auf schnelle Heilung als andere Tierarten. Denn wie Wissenschaftler festgestellt haben, aktiviert das Schnurren der Stubentiger deren Selbstheilungskräfte.

Die Behandlung der Fraktur richtet sich nach Art des Bruchs und Lage der Bruchstelle, dem Alter und dem Gesundheitszustand der Katze. Man unterscheidet geschlossene von offenen Frakturen. Bei einer geschlossenen Fraktur ist die Bruchstelle von Haut bedeckt und im Gegensatz zu einer offenen Fraktur relativ gut gegen Wundinfektionen geschützt. Katzen mit offenen Frakturen müssen mindestens 2-4 Wochen mit Antibiotika versorgt werden.

Je mehr einzelne Bruchstücke vorhanden sind, je näher die Bruchstelle an einem Gelenk liegt, bzw. sogar das Gelenk mit betrifft, und je mehr der betroffene Knochen normalerweise belastet wird, desto schwieriger die Behandlung und eventuell auch langwieriger die Heilung. Eine gute Durchblutung und eine kräftige Muskulatur, die den gebrochenen Knochen stützt, fördern hingegen das Zusammenwachsen. Außerdem gilt: Je jünger das Tier, desto schneller schließt sich die Bruchstelle. Während man bei jungen Katzen mit 1-3 Monaten rechnet, kann es bei ausgewachsenen Tieren bis zu 5 Monate dauern, bis der Knochen wieder normal belastbar ist. Kommen Komplikationen hinzu, kann die Heilung allerdings auch länger dauern.

Junge Katzen, die einen einfachen Bruch der langen Röhrenknochen der unteren Vorder- oder Hinterbeine erlitten haben, können konservativ, d. h. mit einem Stützverband, behandelt werden. Bei einem komplikationslosen weiteren Verlauf kann man je nach Alter der Katze von einer Heilung nach 3 bis 8 Wochen rechnen. Komplizierte Brüche und alle Frakturen bei ausgewachsenen Katzen sollten chirurgisch versorgt werden. Eine Ausnahme stellen bestimmte unkomplizierte Beckenbrüche dar, die nach einer 2- bis 3-wöchigen Käfigruhe mit folgendem 4- bis 6-wöchigem Hausarrest gut heilen.

Nach der Behandlung durch den Tierarzt müssen Stützverbände und Operationswunden mindestens einmal täglich vom Katzenhalter kontrolliert werden. Dabei sollte man darauf achten, dass Wunde und Verbände trocken sind. Schwellungen oder große Temperaturunterschiede der Haut sind ebenso Warnzeichen für Komplikationen wie Schmerzen, Appetitlosigkeit oder eine verkrampfte Körperhaltung. Jungtiere sollten schon etwa 10 Tage nach einer Frakturbehandlung geröntgt werden, um Wachstumsstörungen frühzeitig zu entdecken. Bei ausgewachsenen Tieren mit einem komplikationslosen Heilungsverauf ist eine erste Röntgenkontrolle 3 Wochen nach der Behandlung ausreichend.

Bei schwierigen Fällen, wie z.B. einem offenen Bruch, sollten diese Kontrollen alle drei Wochen durchgeführt werden, in einfachen Fällen ist eine Röntgenkontrolle nach drei Monaten meist ausreichend.

Die Implantate, also Platten, Schrauben, Nägel und Drähte, die den Knochen stabilisiert haben, müssen nach der Heilung herausgenommen werden, wenn sie das Wachstum behindern, die Beweglichkeit eines Gelenkes einschränken, locker sind, wandern oder den Knochen schwächen und wenn sie die Katze stören. Nach offenen Brüchen oder einer Knochenmarksentzündung müssen Implantate immer entfernt werden. In allen anderen Fällen können sie im Körper bleiben.

Barbara Welsch, Tierärztin

 

Erstversorgung