Planvoll zum Ziel
So macht man den Flöhen das Leben schwer


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

wenn jemand etwas bei nahe Unkontrollierbares kontrollieren soll, dann heißt es im Volksmund: „Das ist wie einen Sack Flöhe hüten!”. Und, wie so oft, trifft Volkes Stimme genau ins Schwarze. Wer einmal von einer Flohplage heimgesucht wurde, weiß, wie schwer es ist, die Biester wieder loszuwerden.

Denn Flöhe sind gleich in mehreren Disziplinen wahre Weltmeister. Im Hochsprung sind sie unübertroffen. Ca. 30 cm können sich die nur wenige Millimeter großen Insekten in die Höhe katapultieren — wären die Tierchen so groß wie wir, könnten sie spielend über den Kölner Dom hüpfen. Auch in puncto Fortpflanzung sind ihnen nur wenige Arten überlegen. Bis zu 2.000 Eier kann ein Flohweibchen im Laufe ihres Lebens legen.

Die Drahtwürmer, wie man die Flohlarven, die aus den Eiern schlüpfen, auch nennt, können sich so fest an Teppichfasern klammern, dass einige sogar dem Staubsauger entkommen. Selbst wenn er nichts tut, ist ein Jungfloh rekordverdächtig. Eingehüllt in seinen Kokon kann er in einer Art Wartestadium über ein Jahr ohne Nahrung überleben. Erst wenn sich ein Opfer durch minimale Erschütterungen des Bodens ankündigt, erwacht der winzige Hungerkünstler und versucht seine „Blutquelle” zu entern.

Nur die Katze
behandeln reicht nicht

Um diese kleinen Wunderwerke der Natur wieder loszuwerden, helfen nur Ausdauer und generalstabsmässiges Vorgehen. Neben der mit Flöhen befallenen Katze müssen vor allem ihre Aufenthaltsorte behandelt werden. Denn der Nachwuchs der Flöhe — und das sind rund 95% der Population — hält sich nicht auf der Katze, sondern in ihrer Umgebung auf.

Für die Bekämpfung der Flöhe auf der erwachsenen Katze gibt es verschiedene Methoden.

Bei starkem Befall kann man dem Stubentiger mit speziellen Tabletten, Shampoos und Sprays schnell Erleichterung verschaffen. Längerfristig und vorbeugend gegen Neubefall wirken Spot-on-Präparate und Halsbänder. Zudem kann man Flohnachwuchs durch Entwicklungshemmer, die man der Katze verabreicht, verhüten. Die letzte Methode ist sehr gut, um die Einnistung einer Flohpopulation in der Wohnung zu verhindern, zeigt aber bei akutem Befall erst nach einiger Zeit Wirkung.

Gleichzeitig sollte man die Heimatfront eröffnen. Soweit es möglich ist, sollten alle Textilien, z.B. Decken oder Kissenbezüge, auf denen die Katze oft liegt, gewaschen und im Trockner getrocknet werden (oder ein paar Tage in die Tiefkühltruhe mit mind. -15° C). Weidenkörbchen, Katzenbäume oder andere bevorzugte Liegeplätze der Katze müssen so gründlich wie möglich gereinigt werden. Pflege-Utensilien für die Katze wie Bürsten oder Putzhandschuhe sollten Sie nach Gebrauch auskochen oder wegwerfen

Chemische Keule
nur allerletzte Lösung

Obwohl in einer Studie vor kurzem nachgewiesen werden konnte, dass insbesondere Flohlarven in hochflorigen Teppichen auch der Saugkraft von Staubsaugern standhalten können, gehört das häufige und intensive Staubsaugen weiterhin zu den wichtigsten Bekämpfungsmaßnahmen. Vergessen Sie dabei auch die Bezüge im Auto und Polstermöbel nicht. Die Staubsaugerbeutel sollten nach jedem Gebrauch entsorgt werden. Gerne halten sich Flohlarven auch in den Ritzen von Dielenböden auf – nehmen Sie sich daher diese Verstecke beim Wischen des Bodens besonders vor. Bevor Sie zur chemischen Keule greifen, sollten Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten lassen, denn Katzen reagieren sehr viel empfindlicher auf viele Insektizide als andere Tiere.

Barbara Welsch, Tierärztin

Zeckensaison

Die gute Nachricht ist: Gegen die meisten gefährlichen Erkrankungen, die Zecken in Deutschland (Borreliose, FSME und Babesiose) übertragen können, sind Katzen – im Gegensatz zu Hund und Mensch – weitgehend resistent. Das bedeutet, dass sich gesunde immunstarke Katzen zwar mit diesen Keimen infizieren können, aber in der Regel nicht krank werden. Trotzdem sollten Freilaufkatzen während der Zeckensaison von März bis November einmal täglich nach den Blutsaugern abgesucht werden.

Zecken, die sich bereits festgesaugt haben, entfernt man mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette. Es ist nicht nötig, die Zecke dabei in eine bestimmte Richtung zu drehen, denn die Parasiten haben kein Gewinde. Sehr wichtig aber ist, dass man die Zecke möglichst hautnah an ihrem Kopf fasst. Denn sonst besteht das Risiko, dass die Mundwerkzeuge des Blutsaugers in der Haut bleiben und dort eine Entzündung verursachen. Aus dem gleichen Grund sollte man auch nicht mit Klebstoff, Öl oder anderen Hausmitteln, die die Zecke am Tier abööten, arbeiten.

In Gegenden mit einem hohen Zeckenaufkommen ist eine Behandlung mit einem Präparat gegen Zecken empfehlenswert.

Mittel gegen Floh und Zecke

Für die Bekämpfung von Floh und Zecke sind unzählige Mittel auf dem Markt erhältlich. Doch manche dieser Präparate versprechen mehr, als sie halten. Physikalische Methoden, wie Bioenergie, Ultraschall oder Magnetanhänger, pflanzliche Präparate wie ätherische Öle oder Hausmittel wie Knoblauch, Hefe oder Zwiebeln zeigen laut Stiftung Warentest (07/2003) keinerlei Wirkung gegen Flöhe und Zecken. Vor der Verwendung von ätherischen Ölen muss sogar gewarnt den, denn Katzen vertragen diese Substanzen nicht. Insbesondere Teebaumouml;l ist für sie hochgiftig.

Aber auch einige chemische Anti-Parasitika können bei Katzen Nebenwirkungen verursachen. Denn Katzen reagieren empfindlich auf bestimmte Wirkstoffe (z.B. die meisten Pyrethroide, Carbamate und Organophoshate), die zur Bekämpfung von Flöhen und Zecken eingesetzt werden.

Behandeln Sie daher Ihre Katze niemals mit einem Präparat, das für Hunde oder andere Tiere bestimmt ist. Verwenden Sie immer nur Floh- und Zeckenschutzmittel, die ausdrücklich für Katzen zugelassen sind. Präparate, die von den meisten Katzen gut vertragen werden, haben wir in der Tabelle für Sie zusammengestellt. Bei der Vielzahl von Mitteln gegen blutsaugende Parasiten kann diese Tabelle nicht vollständig sein. Lassen Sie sich daher auf jeden Fall von Ihrem Tierarzt über eine wirkungsvolle Bekämpfung von Floh und Zecke beraten.

Präparat Wirkstoff Gegen
erw. flöhe
verhindert
Flohnachwuchs
Gegen
Zecken
Nicht anwenden Bemerkungen
Advantage©
Spot on
Imidacloprid Drei bis vier Wochen Toxisch auch für Flohlarven ------------------- Kitten unter acht Wochen Enthaltenes Lösungsmittel kann Leder und andere Materialien angreifen
Bolfo © Floh-schutzband für Katzen Propoxur Vier Monate -------------------- Zehn Wochen Bei Kitten unter sechs Wochen und bei kranken Katzen Sollbruchstelle: Halsband reißt, wenn die Katze hängen bleiben sollte
Capstar S © Tabletten Nitenpyram Kurzfristig --------------------- ------------------- Kitten unter acht Wochen Wirkt innerhalb von 20-30 Minuten/Sofortbehandlung
Cyclio © Spot on Pyriproxifen ---------------------------- Drei Monate ------------------- Kitten unter einem Monat, trächtige und säugende Katzen -------------------------------------
Frontline © Spot on Fipronil Fünf Wochen ---------------------- Vier Wochen Kitten unter acht Wochen Wirkt auch gegen Milben, Haarlinge
Frontline © Combo Spot on Fipronil Fünf Wochen Sechs Wochen Vier Wochen Kitten unter acht Wochen Wirkt auch gegen Milben, Haarlinge
Program © Suspension Lufenuron ---------------------------- Ein Monat ------------------- Jungkatzen unter einem Kilo Gewicht Wirkt auch gegen Hautpilze
Program © Injektionslösung Lufenuron ---------------------------- Sechs Monate ------------------- Jungkatzen unter einem Kilo Gewicht Wirkt auch gegen Hautpilze/Injektion muss vom Tierarzt verabreicht werden
Stronghold © Spot on Selamectin Vier Wochen Vier Wochen Teilweise Kitten unter sechs Wochen Wirkt auch gegen Milben, Läuse, bestimmte Wurmarten

Angaben ohne Gewähr. die Informationen für diese Tabelle stammen aus der Datenbank des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich www.vetpharm.unizh.ch oder aus den Gebrauchsinformationen der Hersteller.