Virusinfektionen


Quelle: KATZEN EXTRA Nr. 1/2002
Autorin: Sarah C.Kilian
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des SYMPOSION Verlages

Katzenschnupfen   Katzenseuche   Leukämievirusinfektion

V Viruserkrankungen stellen nach wie vor ein großes 11 Problem In jeder Katzenhaltung dar. Unzureichende prophylaktische oder therapeutische Maßnahmen sind aber nur EIN Stolperstein Im Umgang mit diesen Schreckgespenstern - denn der differente und manchmal recht kühn wirkende Blickwinkel etwa bei der Interpretation von Testergebnissen trägt sein gerüttelt Mag zur Verunsicherung der Tierbesitzer bei. Oder wie sonst ließe sich erklären, dass immer noch Katzen mit so genannten FIP-Titern" (die's noch dazu gar nicht gibt) und ohne zielführende klinische Anzeichen über die Klinge springen müssen? Oder zu Tode therapiert werden?

Womit ich nun bitte schön keinem Mediziner seine Qualifikation absprechen möchte, aber es gibt schon zu denken, dass die haarsträubenden Geschichten gerade um die FIP kein Ende zu finden scheinen. Und selbstverständlich maße ich mir auch nicht an, den Stein der Weisen entdeckt zu haben: Der vorliegende Artikel widerspiegelt wertfrei die neuesten (deutschsprachigen) Veröffentlichungen DER "Guru's" auf diesem Gebiet, nämlich der Professoren Hans Lutz (Zürich), Marian Horzinek (Utrecht) und Niels Pedersen (Davis/Kalifornien). LeserInnen, die lieber dem Internet vertrauen, können sich natürlich über die jeweiligen Universitäten informieren.


Was sind Viren?

Viren sind winzige Krankheitserregeräugetieren vorkommen. Allen gemeinsam ist, dass sie sich - im Gegensatz zu den Bakterien - nicht selbst vermehren können, sondern auf eine lebende Zelle angewiesen sind. Die wichtigsten, mit denen wir konfrontiert werden, sind jene mit Hülle: Herpesviren (Katzenschnupfenkomplex), Retroviren (z.B. FeLV oder FIV), Coronaviren("zuständig" u.a. für Enteritis oder FIP) und Tollwutviren sowie Viren ohne Hülle Caliciviren (Katzenschnupfenkomplex) und Parvoviren (= Katzenseuche). "Hülle oder nicht Hülle" ist insofern von Bedeutung, als diese nicht sehr stabil ist - das bedeutet, dass Viren mit Hülle relativ leicht durch Desinfektionsmittel oder gewöhnliche Haushaltsreiniger (Seife) aktiviert werden können, während Viren ohne Hülle auch an der Außenwelt eminent stabil bleiben. Womit sich etwa - nach gründlicher Reinigung des Haushalts - die relativ kurze "Wartezeit" erklären lässt, wann z,B. nach einem FIP-Fall eine neue Katze einziehen darf. Voraussetzung für die Infektion ist die Virusvermehrung im Katzenkörper, während dieser jedoch viele Viren zugrundegehen und lediglich Anzeichen einer Erkrankung beobachtet werden können.


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Das stille Örtchen

Das tägliche Reinigen der Katzentoilette ist für verantwortungsvolle Katzenbesitzer eine Selbstverständlichkeit. Wer mehrere Stubentiger hält, reinigt die Toilette natürlich mehrmals am Tag. Hochwertige Einstreu und ein leicht zu reinigendes Katzenklo erleichtern das Prozedere ganz ungemein. Auch die komplette Reinigung der Katzentoilette gehört zum Hygieneprogramm. Einmal pro Woche sollte die alte Einstreu komplett entfernt und die Plastikschale mit heißem Wasser ausgespült werden. Auf scharfe Reiniger ist zu verzichten, da sie eventuell gesundheitsgefährdend sind. Gegen für Tiere geeignete Desinfektionsmittel ist nichts einzuwenden. Das penible Reinigungsprogramm verhindert die Ausbreitung von Würmern. Wurmeier haften tagelang im Katzenklo, bis sie ins nächste Entwicklungsstadium gelangen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch relativ leicht zu entfernen, Kokzidien (z.B. Toxoplasma gondii und verschiedene Babesia-Arten) sind leider hartnäckiger. Zwar sterben auch sie innerhalb von wenigen Sekunden ab,

wenn man sie in den ersten Tagen ihres Entwicklungsstadiums heißem Wasser aussetzt, sobald sie aber ein fortgeschrittenes Stadium erreicht haben, überleben sie sogar 20-minütige Wasserbäder. Besteht der Verdacht einer KokzidienInfektion, ist eine tägliche Komplett-Reinigung der Katzentoilette anzuraten.

Entwurmungen sind wichtig

Eine Kotuntersuchung kann Aufschluss über etwaige Parasiten-Infektionen geben. Fordert der Tierarzt eine Kotprobe an, besorgt man sich einen kleinen Holzspachtel und und entnimmt dem Kothäufchen an mehreren Stellen Proben, die man anschließend in ein sauberes Plastikgef&aum;ss füllt. Da Wurmeier nicht täglich ausgeschieden werden, sind Kotproben nicht immer aufschlussreich, Regelmäßige Entwurmungen sind die sicherste Methode, um vorhandene Würmer abzutöten und eine Infektionsgefahr für den Menschen auszuschließen. Jeder Tierarzt gibt Auskunft über geeignete Entwurmungsmittel und deren Dosierung.

So schützt sich der Mensch
Obwohl die Einhaltung der zuvor erwähnten Hygienemaßnahmen einen Parasitenbefall sehr unwahrscheinlich macht, sollte sich der Katzenhalter vor jeder Mahlzeit die Hände waschen. Die meisten Parasiten übertragen sich nämlich oral; zum Beispiel wenn man mit verschmutzten Fingern an den Mundbereich kommt. Diese Vorsorgemaßnahme gilt natürlich insbesondere für den Kontakt zu fremden Stubentigern Gerade beim Urlaub in südlichen Ländern trifft man immer wieder auf Katzen, die unter einem extremen Parasitenbefall leiden. Kommt es zu Körperkontakt, sollte man sich anschließend gründlich die Hände reinigen. Auf diese Weise werden Wurmeier und sogar Pilzsporen entfernt.


Hygiene an Kuschelplätzen

Schlafhöhlen und Kuschelbettchen gehören nicht nur zu den Lieblingsplätzen vieler Katzen. Auch Parasiten kleben vorzugsweise an flauschigen Fasern und Stoffen. Dort können sie in aller Ruhe mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen und bequem ihren zukünftigen Wirt erreichen, der sicherlich regelmäßig seinen Schlafplatz aufsucht. Da nur das regelmäßige Waschen der Stoffbezüge Abhilfe schafft, sollte man beim Erwerb von Schlafhöhlen, Kuschelsäcken etc. darauf achten, dass der betreffende Gegenstand auch waschbar ist. Umso höher die Temperatur während des Waschgangs sein darf, desto besser!

Sind tatsächlich sichtbare Larven oder Ektoparasiten vorhanden, kann man ein häutungshemendes Spray einsetzen, dessen Wirkung bis zu vier Monate anhält.


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Fellpflege

Auch die Fellpflege gehört zur Parasiten-Vorbeugung. Regelmäßiges Bürsten und Kämmen macht einen Befall durch Ektoparasiten unwahrscheinlicher. Die Schmarotzer bevorzugen nämlich ungepflegtes oder verfilztes Fell, Die Pflegestunde bietet auch die Möglichkeit, den Allgemeinzustand des Stubentigers zu überprüfen.

Hautveränderungen, stumpfes Fell oder Abmagerung können Symptome eines Parasitenbefalls sein. Mit der - laienhaft ausgedrückt- die Katze offenbar "fertig" geworden ist. Sprich: Es kommt zur vollständigen Genesung.

Für den Heilungsprozess ist ein wirkungsvolles Funktionieren des Immunsystems notwendig, das Antikörpermoleküle bildet, die sich an Viruspartikel anlagem und dadurch neutralisieren. Neben Antikörpern produziert das Immunsystern aber auch weiße Blutzellen (Lymphozyten), die infizierte Zellen erkennen und zerstören können. Woraus sich unschwer schließen lässt, welch ungeheure Bedeutung die bestmögliche Haltung = Stressvermeidung, Pflege, seelische Betreuung und exzellente Ernährung einnimmt!


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Vorsorge- und Impfschutz

Infektionsmöglichkeiten sind überall dort gegeben, wo Katzen mit Viren ihrer Artgenossen in Kontakt kommen können: Freilauf (auch eingezäunt!), Aufnahme einer neuen Katze, Tierarztbesuch, Katzenheime und auch Zuchten.

Beim Auslauf ins Freie können, außer der lückenlosen Impfung aller Tiere in der Gegend (!), kaum wirkungsvolle Maßnahmen getroffen werden. Durch Kastration der Freigänger wird zumindest der Kontakt = Revierverteidigung minimiert. Bleibt z.B. infizierter Speichel von einem angeknabberten Grashalm auf dem Fell einer gleich danach vorbeistreifenden Katze hängen und wird beim Ablecken aufgenommen, wäre jedoch theoretisch auch ohne Direktkontakt eine Infektion möglich. Aber nicht sehr wahrscheinlich.

Kommt eine zusätzliche Katze ins Haus, wird grundsätzlich eine Separation für die ersten ein bis zwei Wochen empfohlen vor allem, wenn deren Herkunft unbekannt ist. Gibt es innerhalb dieser Zeit keinerlei Anzeichen (wie Fressunlust, Niesen, Durchfall etc.), ist Entwarnung angesagt.

Tierärzte werden nach jedem Patientenbesuch Untersuchungstisch, Instrumente und Hände gut waschen bzw. desinfizieren, um die Gefahr weitgehend zu bannen. Im Warteraum ist das nicht möglich, weshalb die Katze im Transportbehälter bleiben und der Besitzer tunlichst direkten Kontakt zu anderen Patienten und Patientenbesitzem unterlassen sollte.

Katzenheime bergen ein relativ großes Infektionsrisiko. Einzelhaltung in belüfteten Käfigen mit geschlossenen Seitenwänden wäre zwar aus hygienischer Sicht vorzuziehen, aber die Tiere fühlen sich in der Isolation nicht wohl und der damit verbundene Stress hebt das Plus wieder auf. Grundsätzlich sollte jedes neu in ein Ferienheim aufgenommene Tier korrekt geimpft sein und bezüglich FeLV und FIV einen (negativen) Test mitbringen (bei Tieren über zwei Jahre nicht älter als neun Monate, bei jüngeren Katzen nicht über sechs Monate alt. Die "Ablauffrist" ist eine Kompromisslösung, da es wesentlich wichtiger ist, zu wissen, ob die Neue vorher mit anderen Katzen Kontakt hatte oder nicht).

Werden in größeren Katzenzuchten alle tragenden, säugenden und Jungkatzen zusammen gehalten, ist das zwar für die soziale Entwicklung ideal, begünstigt aber die Verbreitung von Infektionserregem. Wobei hier den Coronaviren besondere Beachtung zukommt. Die Separation auf Kosten des Sozialkontakts kann aber keine befriedigende Lösung darstellen, weshalb die relative Sicherheit wohl eher in der Beschränkung der Populationsdichte liegt.


Ein Leben wie auf Wolke Sieben ist natürlich die beste Voraussetzung, für den notwendigen Impfschutz nicht nur vordergründig Geld auszugeben. Denn Aussicht auf Erfolg und wirksamen Schutz bieten Impfungen nur dann, wenn die Katze nicht schon mit dem entsprechenden Virus infiziert ist! Da viele Infektionskrankheiten zu einer Schwächung des Immunsystems führen, ist es überdies eminent wichtig, dass die zu impfende Katze zum Zeitpunkt der Impfung wirklich gesund und Parasitenfrei ist, was der Tierarzt anhand der vorangehenden Untersuchung nicht immer schlüssig feststellen kann (z.B. Fressunlust) und sich daher auf Beobachtung und Information durch den Besitzer verlassen muss. Die bei bakteriellen Infektionen wirksamen Antibiotika zeigen gegen Viren keine hemmende Wirkung. Um Virusinfektionen effektiv bekämpfen zu können, sind größtmögliche Kenntnisse der Übertragung, Hygiene und eventueller Impfschutz von äußerster Wichtigkeit.


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Der Katzenschnupfen

Herpes- und Caliciviren sind in der Katzenpopulation weit verbreitet. Sie dürften zusammen für mindestens drei Viertel aller Erkrankungen des Respirationstraktes verantwortlich sein und sind durch die leichte Verbreitung insbesondere für Katzenheime und Z&uumkl;chter von Bedeutung, wenn Tiere eng zusammen gehalten werden. Krankheitsbild und Verlauf: Erkrankung des Nasen - und Rachenraums, in vielen Fällen auch der Bindehäute, am häufigsten vorkommend bei Jungtieren zwischen der 6. und 12. Lebenswoche. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis fünf Tage. Die ersten Symptome äußern sich als Niesen, wenig später wird wässriger Nasen - und Augenausfluss (oft verbunden mit Nahrungsverweigerung) beobachtet. Nach zehn bis zwölf Tagen können die Krankheitssymptome von selbst verschwinden - oder es kommt zu einer bakteriell bedingten Sekundärinfektion: Der Nasenausfluss wird eitrig (bzw. dehnt sich die Entzündung auf die Nebenhöhlen aus) und behindert die Atmung, der Augenausfluss bildet Verkrustungen.

Diagnose und Therapie:

Der direkte Nachweis ist lediglich durch Labortests (PCR = Polymerase Chain Reaction) möglich, doch gibt es zurzeit keine Behandlungsmöglichkeit, mit welcher die Virusvermehrung gezielt unterbunden werden könnte. Entdeckt ein Züchter bei seinen Jungtieren immer wieder Schnupfensymptome, sollte er den Ausscheider eruieren und in der Folge zumindest dessen Kontakt zu Zuchtkatzen/kater unterbinden. Antibiotika müssen eingesetzt, Augen (Salbe) und Nasenöffnungen peinlich sauber gehalten werden. Kann die Katze nicht mehr durch die Nase atmen, wird sie zu fressen aufhören und meist auch nichts mehr trinken. Der drohenden Austrockung kann mit Infusionen vorgebeugt werden und kleine weiche Futterkügelchen seitlich zwischen die Zähne geschoben dem grimmigsten Hunger etwas begegnen.

Wasser oder dünnflüssiger Brei (z,B. Concentration Instant Diet von Waltham = Tierarzt) kann tröpfchenweise mit der Pipette verabreicht werden - bitte langsam, geduldig und wirklich nur tröpfchenweise, damit der Patient sich nicht verschluckt, Katzen sind nicht gewohnt, durch das Maul zu atmen und können daher Atmung und Schlucken schlecht koordinieren - bereits die Menge eines halben Teelöffels auf einmal kann Erstickungsangst und Panik auslösen! Impfung: Seit Mitte der 70er Jahre stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Die Grundimmunisierung umfasst zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen, wobei die erste Impfung nicht vor der achten Lebenswoche erfolgen sollte. Einmal jährliche Auffrischung ist erforderlich. Der Impf-Intervall darf nur dann etwas ausgedehnt werden, wenn eine bereits ältere Katzen (Gruppe) verlässlich ohne Auslauf bzw, Kontakt mit hausfremden Katzen leben.

Das Virus und die Übertragung: Katzenschnupfen wird entweder durch das Herpesvirus (vorwiegend Nasen - und Augenausfluss) oder das Calicivirus (zumeist Veränderungen der Zunge = Ulcera, können aber auch bei Herpesvirusinfektionen auftreten) - die häufig vergesellschaftet auftreten - verursacht. Die Ansteckung erfolgt meistens durch direkten Kontakt =Tröpfcheninfektion. Mit der Genesung schwindet jedoch nicht automatisch die Virusausscheidung - nach überstandener Infektion bleiben viele Katzen latent infiziert, scheiden weiterhin das Virus aus und gefährden empfängliche Tiere.

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Die Leukämievirusinfektion (FeLV)

FeLV ist weltweit verbreitet, aufgrund der Impfung mittlerweile rückläufig und hat daher seine enorme Bedrohung zum Teil verloren.

Krankheitsbild und Verlauf:
Das FeLV ist ein höchst gefährlicher Virus. Die Infektion mit diesem - sofern sie nicht rechtzeitig vom Immunsystem überwunden wird -äußert sich in einer ganzen Reihe verschiedener, ausnahmslos zum Tod führender Krankheitsbilder. FeLV wurde erstmals im Zusammenhang mit Leukämie (= krankhafter Vermehrung weißer Blutzellen = Leukozyten) entdeckt, daher der Name, tritt aber äußerst selten auf. Wir meinen mit FeLV eigentlich Leukose, bei der durch Vermehrung von Lymphozyten eine krankhafte Vergrößerung der Lymphknoten oder des Thymus, einem Lymphdrüsenähnlichen Organ des Immunsystems im Brustraum, verursacht wird. Weshalb der gewissenhafte Tierarzt bei jeder Routineuntersuchung die Lymphknoten besonders gründlich abtastet und die Farbe der Schleimhäute überprüft. Denn das - über Monate hinweg schleichende - Krankheitsbild zeigt sich vorwie gend in Blutarmut = auffallend blasse Schleimhäute in der Maulhöhle und im Auge, und in einer Immunschwäche: ständige Zahnfleischentzündungen, schlecht heilende, eiternde Wunden, Ohrenentzündung, immer wiederkehrender Durchfall und andere ähnliche Symptome lassen darauf schließen.

Diagnose und Therapie

FeLV wird im Test (Labor oder Tierarzt) direkt nachgewiesen und ist präzise bestimmbar. Ein einzelner positiver Test bei einem Tier ohne Krankheitssymptome darf jedoch kein Grund für das Einschläfern sein! Lediglich bei Ausbruch der Symptome ist eine spontane Heilung ausgeschlossen. Jedoch über 40 % der Katzen mit einem positiven Testresultat kommen über die Infektion hinweg und werden immun. Es ist daher unabdingbar, in einem solchen Fall nach zwei bis drei Monaten den Test zu wiederholen. Ist dieser dann negativ, kann die Katze allerdings dennoch latent infiziert sein, sprich die Infektion wird möglicherweise in Stresssituationen wieder aufflammen- ein PCR-Test gibt Aufklärung, während besondere Sorgfalt und Fürsorge die Lebenserwartung bestimmen. Es gibt bisher keine Medikamente, die zur Behandlung zuverlässig verwendet werden können. Die einzelnen Symptome werden zwar therapiert, was ein wellenartiges Abklingen und Wiederaufflackern zur Folge hat,

doch führen FeLV-bedingte Erkrankungen in der Regel zum Tod. Der Impfschutz gewinnt daher ganz besondere Bedeutung. FeLV ist an der Außenwelt enorm empfindlich und verliert seine Infektiosität durch Austrocknung praktisch sofort (z.B.nach Entfernung eines infizierten Tieres), Futternapf- und Toilettereinigen trotzdem nicht vergessen!

Impfung: Es stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, unter anderem auch einer, der mit den Methoden der Gentechnologie hergestellt wird.
Wie beim Katzenschnupfen sollte die FeLV-Impfung durch zwei Grundimmunisierungen im Alter von neun und zwölf Wochen erfolgen und jährlich wiederaufgefrischt werden. Ein Test vor der ersten Impfung ist angeraten, denn selbstverständlich gibt es weder Schutz noch Verlass, wenn die Katze bereits infiziert ist.
ACHTUNG: Auch eine geimpfte Katze kann sich infizieren, wenn der Infektionsdruck groß genug ist - sie z.B. mit einem Dauerausscheider in freundschaftlicher Kooperation zusammenlebt.

Das Virus und die Übertragung: Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch infizierten Speichel = Benutzung gemeinsamer Futternäpfe, gegenseitiges Belecken, Bissverletzungen, aber auch Streukästen. Nach Aufnahme in der Maulhöhle setzt sich das FeLV in den Lymphozyten fest und wandert mit diesen ins Knochenmark, vermehrt sich und überschwemmt den Körper mit Viren. Es kommt zur Virämie = Virus im Blut, wodurch es sich in der Blasen- und Darmwand und den Speicheldrüsen festsetzt und so mit Harn Kot und Speichel wieder ausgeschieden wird. ABER: ein funktionierendes Immunsystem kann den Kreislauf jederzeit durchbrechen!! Es gibt Katzen, weiche nach kurzer Virämiedauer in der Lage sind, die Virämie aufgrund eines intakten Immunsystems zu überwinden. Andere Tiere bleiben zeitlebens virämisch und scheiden große Mengen von infektiösem FeLV aus. Ständig infizierte Tiere sind natürlich am meisten gefährdet und sterben etwa zwei bis drei Jahre nach der Infektion. Schlechte Haltungsbedingungen = wenig Zuwendung, unausgeglichenes Futter, soziale Unverträglichkeit, Stress führen schon nach kurzer Virämiedauer zumTod, während echte Lebensqualität der infizierten Katze noch viele gute Jahre bescheren kann.


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Die Katzenseuche (FeLV)

Vor der Impfung war die Katzenseuche die häufigste Virusinfektion weltweit. Wird auf die Impfung verzichtet, kommt es immer wieder vereinzelt zum Ausbruch.

Krankheitsbild und Verlauf:
Aufgrund der Impfung erfreulich selten geworden, kann das Parvovirus als Erreger immerhin beim perakuten Verlauf eine Katze bis kurz vor ihrem plötzlichen Ende als völlig normal erscheinen lassen - und innerhalb weniger Stunden durch Schock zum Tod führen!!
Das Krankheitsbild des akuten Verlaufs beginnt oft mit Mattigkeit, allgemeiner Lustlosigkeit und Reduzierung bis vollständigem Verlust des Appetits. Die Temperatur liegt meist über 40' C (normal: 38' bis 39' C), dann fällt die Fieberkurve zum Normalwert und steigt kurz darauf neuerlich an.
Typisch sind weiters Erbrechen, später oft Durchfall, beides führt ohne Behandlung innerhalb weniger Tage zum Tod. Bei geringerem Schweregrad kann sich die Katze spontan erholen und ist vermutlich für längere Zeit vor einer erneuten Infektion geschützt.

Darauf sollten wir uns aber nicht verlassen, denn das Parvovirus ist eines der widerstandsfähigsten Viren überhaupt!

Diagnose und Therapie

Für die Diagnose steht ein Test zur Verfügung, in dem das Virus direkt nachgewiesen werden kann. Wird der Durchfallkot allerdings erst einige Tage nach Beginn der Erkrankung untersucht, so fällt der Test oft negativ aus. Eine Blutuntersuchung kann - indirekt - zielführende Hinweise liefern, da Katzenseuche mit einem massiven Verlust der Leukozyten im Blut einhergeht.

Es ist außerordentlich wichtig, dass mit der Behandlung möglichst rasch begonnen wird. Zunächst müssen der Flüssigkeitsverlust (Dauertropf) und eventueller Eiweißverlust (Blutplasma, Vollblut) behoben werden. Viele Tierärzte verabreichen vorsichtshalber Antibiotika, da die Katze mit dem Leukozyten-Abfall einen wichtigen Abwehrmechanismus gegen Bakterien verliert.

Wegen der außerordentlichen Widerstandsfähigkeit des Parvovirus ist auf größtmögliche Hygiene zu achten, da, wie erwähnt, das Virus auf Böden, an Möbeln oder auch "Katzen-Mobiliar" wie Kratzbaum oder Kotkistchen jahrelang überleben kann. Bei der Wahl der Desinfektionsmittel sollte der Tierarzt beratend zugezogen werden.

Impfung: Zur Grundimmunisierung werden Kitten jeweils im Alter von neun und zwölf Wochen geimpft, vorwiegend in Kombination mit der Schnupfen-Impfung. Ist in einem Mehrkatzen (Züchter) Haushalt ein Parvovirus-Problem aufgetreten, kann der Tierarzt entscheiden, Jungtiere bereits mit sechs Wochen zu impfen (= so genannte "Babyimpfung", früher: Feliserin).

Das Virus und die Übertragung: In der Außenwelt kann das Parvovirus jahrelang ansteckend bleiben. Es ist nachgewiesen, dass Katzen sich in Räumen infizierten, in denen vorher andereTiere das Virus mit dem Kot ausgeschieden haben! Dennoch ist für die Infektion der direkte Kontakt am wichtigsten. Besonders gefährdet sind Jungtiere.

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