Charlies Schicksal!

Wie Charlie selber schon erzählt hat, stammt er aus einer anderen Familie. Wir wissen also eigentlich gar nichts über ihn, auch nicht seinen richtigen Namen. Wir haben ihn Charlie getauft, weil dieser Name irgendwie zu ihm passt.

Zunächst kam er nur zu uns, um zu fressen. Anfassen ließ er sich überhaupt nicht. Jeder Versuch wurde mit lautem Knurren und Fauchen quittiert. Auch ein Hieb mit seinen scharfen Krallen war schon mal drin. Er fraß jedesmal mit einem gesegneten Appetit. Selbst die Reste, die unsere Katzen in ihren Näpfen ließen, wurden vertilgt.

Nach und nach wurde er immer zutraulicher und irgendwann ließ er es sich gefallen, wenn man ihm ganz leicht über sein Fell streichelte. Eines Tages lief er schnurstracks nach oben ins Schlafzimmer und legte sich wie selbstverständlich in unser Bett. Nach näherem Hinsehen stellten wir fest, dass er verletzt war und so fuhren wir mit ihm zum Tierarzt.

Nach dessen Aussagen hatte er sich wahrscheinlich eine Bisswunde zugezogen. Wir haben ihn dann operieren und weil die Gelegenheit günstig war, auch gleich kastrieren lassen.Uns war klar, dass er jetzt bei uns bleiben würde, und wir stellten uns darauf ein.

Nach einiger Zeit bekam Charlie Probleme beim Fressen. Er hatte offensichtlich schreckliche Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme. wir fuhren darauf hin wieder mit ihm zum Arzt. Zunächst wurde eine Allergie vermutet, die bei Katzen recht häufig vorkommt und er bekam eine Spritze. Es wurde allerding nicht wirklich besser. Wir haben ihm diese Allergiebehandlung noch ein paarmal zukommen lassen, doch uns schien, dass hier die falsche Diagnose gestellt wurde.

Erst eine Blutuntersuchung brachte Klarheit: Charlie leidet an Katzen-Aids.
Medizinisch ausgedrückt: Er hat den Feline Immundefizient-Virus (FIV).

Dieser Virus, dem menschlichen Aidsvirus sehr ähnlich, ist nicht auf den Menschen übertragbar. Die Zerstörung der Immunzellen macht die Katze für weitere Infektionen besonders anfällig. Bei Charlie zeigt sich dies in Form von Entzündungen in der Maulhöhle, ähnlich der Stomatitis beim Menschen. Unser Tierarzt machte uns behutsam darauf aufmerksam, dass es keine Heilung für Charlie gibt, und wir uns darauf einstellen müssen, bald von ihm Abschied zu nehmen. Dabei hatten wir uns gerade so richtig miteinander angefreundet. Charlie hat sich vom wilden Kater in einen zahmen Stubentiger verwandelt, der mittlerweile so versessen aufs Schmusen war, dass er uns kaum noch aus den Augen ließ. In dem Moment, in dem ich dies schreibe springt er mir auf den Schoß und schnurrt wie verrückt. Ihr seht, Charlie lebt noch.

Er bekommt seit damals, zwei Jahre ist das jetzt her, regelmäßig alle vier Wochen eine starke Cortisonspritze. Danach geht es ihm wieder gut, und die Entzündung geht zurück. Auf den Fotos könnt Ihr sehen, dass er ansonsten in guter Verfassung ist.

Solange sich die Abstände zwischen den Spritzen zeitlich nicht verändern, werden wir Charlie weiterhin ein schönes Katzenleben schenken. Erst wenn sich zeigt, dass die Cortisondosis nicht mehr ausreicht und er sich quält, werden wir natürlich unserer Verantwortung nachkommen. Dies ist auch so mit unserem Tierarzt abgesprochen.

Vielleicht gibt es ja bald Möglichkeiten, diese Erkrankung zu heilen. Vielleicht hat auch jemand von Euch Informationen zu diesem Thema. Wir wären für jede Art von Neuigkeiten dankbar.

Charly ist am 09.11.2002 an seiner schweren Erkrankung gestorben.
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