Sei wie die Katze

Wen rufst du?
Weißt du, wer da atmet?
Ist das Auge die Sehnsucht?
Ist das Ohr die Melodie?

Fragen suchen keine Antwort,
im Heu schlummert die Katze,
sie kennt keine Sehnsucht.

Sie hat keine Vergangenheit,
sie atmet den Wald,
sie erschnüffelt den Sommer,
sie frisst das Knacken des Holzes,

sie springt über den Plan,
sie fällt in die Schlucht,
sie fliegt über die Täler,

sie krallt sich in das Laub
und geht in die Stube,
mit hocherhobenem Schwanz.

Gedicht von Peter Lauster

Wer eine Katze zu sich nehmen will, muss sich vorher gut überlegen, ob er bereit ist, die Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, dass sehr sensibel reagiert und sich trotz Domestizierung seine Eigenheiten bewahrt hat. Katzen sind Individualisten und bleiben es ihr Leben lang. Sie haben ihren eigenen Kopf und man kann sie nicht erziehen wie einen Hund, aber das ist es gerade, was Katzenliebhaber so an ihr schätzen.

Dem kleinen Kätzchen sieht man es nicht an, ob es später ein ruhiger Hausgenosse wird, oder aber gerne seine Krallen zeigt. Man sollte sich daher schon vorher auf alle möglichen Untugenden einer Katze einstellen und abwägen, ob man bereit ist, sie in Kauf zu nehmen.

Eine der Haupttugenden, die einen Katzenmenschen auszeichnet, ist Toleranz.

Folgende Prinzipien kann man denn auch getrost über Bord werfen:

    1. Die Katze darf nicht in bestimmte Räume

Das kann man schon im Ansatz vergessen. Die Katze lässt es sich nicht vorschreiben, wo sie sich aufhält, denn ihr gehört schließlich die    Wohnung bzw. das Haus. Notfalls wird so lange an den Türen gekratzt, bis man entnervt aufgibt.

    2. Die Katze kommt nicht ins Bett

Auch dieser Vorsatz ist zum Scheitern verurteilt, denn Katzen suchen sich ihren Schlafplatz selbst, vorzugsweise auf dem Kopfkissen oder am Fußende des Bettes. Wer bekommt es schon fertig, sie da zu verscheuchen. Sieger ist die Katze.

    3. Die Katze darf nicht auf den Tisch

Das weiß sie zwar ganz genau, aber es stört sie nicht. Man muss sich damit abfinden, dass man sie zum zehntausendstenmal darauf hinweist und sie wieder freundlich herunterhebt, sie aber, kaum dass man sich herum dreht, schon wieder oben sitzt. Sie hat eben von dort den besseren Überblick.

  Wo Katzen sind, sind auch Katzenhaare. Selbst wenn man regelmäßig staubsaugt, man wird sie nicht ganz entfernen können, es sei denn, man will sich zum Sklaven des eigenen Haushaltes machen. Daher ist es wichtig, bevor man eine Katze zu sich nehmen will, zu testen, ob man nicht allergisch auf Katzenhaare reagiert. Sicherlich sind im Freundes - oder Bekanntenkreis Leute, die Katzen haben. Dort kann man schnell herausfinden, wie es darum bestellt ist.

  Katzen haben Krallen und die wetzen sie nicht unbedingt immer am Kratzbaum. Man muss sich also damit abfinden, dass Polstermöbel, Gardinen (beim Fliegenfangen) und Kleidung irgendwann Spuren zeigen. Insbesondere bei kleinen Katzen kommt es beim Spielen auch schon mal vor, dass die Haut des Menschen Kratzer abbekommt, denn die Kleinen haben ihre Krallen noch nicht so ganz unter Kontrolle.

  Katzen sind reinliche Tiere, die ihre Geschäfte sorgfältig im Katzenklo vergraben. Da kann es schon vorkommen, dass Körnchen vom Katzenstreu in den Pfoten hängenbleiben und durch die Wohnung getragen werden.

  Katzen würgen die Haarballen, die durch das Putzen im Magen entstehen wieder heraus. Manchmal spucken sie auch, weil sie zu hastig gefressen haben. Da sie den Moment nicht genau vorhersehen können, muss man damit rechnen, dass sie sich ausgerechnet auf den teuren Teppich erbricht. Wer dann die Nerven verliert, verzichtet besser gleich auf eine Katze. Der Katzenmensch bleibt ganz ruhig, tröstet zuerst seine Samtpfote und greift dann zu Lappen und Essigwasser.

  Für echte Katzenmenschen ist es auch eine Selbstverständlichkeit, dass er sich Gedanken darüber macht, wer bei Kurzreisen oder Urlaub für das Tier sorgt.

  Wer dann immer noch bereit ist, eine Katze aufzunehmen, ist wahrhaftig ein Katzenmensch und er wird merken, dass seine Katze bereit ist, letztlich mehr zu geben, als sie fordert.
Wie sagte schon Rainer Maria Rilke:

"Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe, ich schwör´s Euch!"