Die Entwicklung zur erwachsenen Katze
Die acht Wochen vor der Geburt


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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

Die Sinne entstehen

Schon vor der Geburt entscheidet sich, ob eine Katze die Chance auf ein ausgeglichenes Wesen bekommt oder nicht. Das Seelenleben der Mutter webt nämlich bereits während der Trächtigkeit am Nervenkostüm ihres Kindes mit. Was immer sie erlebt, hinterlässt Spuren, die mitunter prägender sind, als ererbte Neigungen oder Erlebnisse im späteren Leben. Deshalb bringt es Sinn im doppelten Sinne, eine trächtige Katze in den zwei Monaten ihrer Trächtigkeit besonders zu umsorgen.
Qualitätsfutter und extra Streicheleinheiten machen nicht nur sie, sondern auch die Embryonen satt und zufrieden. Im Monat vor der Geburt entsteht das Urvertrauen, dass die Welt in Ordnung ist und ein Kätzchen darin gut aufgehoben ist. Einzige Voraussetzung: Es darf im Mutterleib keinem Dauerstress ausgesetzt sein. Angst, Hunger und Krankheit der Katzenmutter programmieren Kätzchen auf Entbehrung, so dass sie später gleichsam permanent unter Strom stehen.

Es dauert nur 24 Tage, bis aus einem unsortierten Zellhaufen ein winziger Katzenfötus geworden ist, der bereits mit seinem Tastsinn die Welt in der Mama erkundet. Das Kleine spürt Kälte, Wärme, Druck und Stöße. Stupst man es von außen an, zieht es sich zurück.
 

Lebenskampf
BEREITS IM MUTTERLEIB

Ist nicht genug Nahrung für alle da, beginnt schon jetzt der Konkurrenzkampf unter den Geschwistern, obwohl jedes in seiner eigenen Eihülle durch Fruchtwasser geschützt ist. Wenn nach zwei Monaten die Geburt bevor steht, treten die kräftigeren die kleineren, beanspruchen mehr Raum und drücken die schwächeren in die unbequemeren Positionen. Damit bei intrauterinen Raufereinen keine Eihülle zerfetzt wird, hat die Natur sich kleine Krallenschoner einfallen lassen, die später abfallen und winzige, aber spitze Krallen freigeben.

Die Föten können schon er­schrecken und zusammenzucken. Aber zuviel Schonung ist unerwünscht, denn der Fötus muss auch seine Sinne ausbilden können. Solange er noch im Fruchtwasser paddelt, kommt er mit Stößen und Geschubse gut zurecht. Denn er fällt sogar in seiner Eihülle immer auf die Füße: der Stellreflex ist tatsächlich schon bei ungeborenen Katzen zu beobachten. Würde die Mutterkatze nur herumliegen - wie sollte das Kätzchen diese Fähigkeit üben können?

Spät, erst gegen Ende der Trächtigkeit, beginnt das Gehör sich zu entwickeln, während die Augen noch nichts sehen und bei der Geburt geschlossen sind. Was Katzenkinder benötigen könnten, wäre die Körpertem­peratur allein aufrechtzuerhalten. Sie sind Kälte und Wärme hilflos ausgesetzt. Solche Temperatur­schwankungen haben auch noch einen Nebeneffekt auf die Fellfarbe: Kätzchen bzw. ihre Körperteile, die an etwas kühleren Stellen der Gebärmutter liegen, zeigen später mehr weiße Stellen als andere, vorausgesetzt die Katze hat die Anlage für Weiß überhaupt geerbt.     

 /. Lauer