Die zweite Woche


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

Vorhang auf ! Die Schau beginnt

Eine Woche sind sie nun auf der Welt und haben noch immer nichts davon gesehen. Aber jetzt kommt allmählich Licht ins Leben der Katzenkinder: In der zweiten Woche hebt sich der Schleier, hinter der die Welt verborgen ist.
Zwei noch wasserblaue Augen, die anfänglich maulwurfsblind sind und noch zwei Wochen brauchen, bis sie klar sehen, gewöhnen sich erst einmal an die Helligkeit. Für den Anfang genügt dem Katzenbaby ohnehin der Anblick der Geschwister und einer dicken, prallen Mutterzitze.
Viel Zeit, sich umzusehen, haben so kleine Katzenkinder noch gar nicht. Ein kurzer Blick auf die verlockende, ihnen entgegenragende Milchquelle genügt, und sie schnappen sich die ihre, klappen die Augen wieder zu und trinken auch in dieser Woche noch fast die ganze Zeit, die sie nicht im Schlaf versunken sind.

Die Beine
STÜTZEN NOCH NICHT

Die ersten tapsigen Gehversuche bringen die Kleinen noch nicht weit: Eher zufällig als gewollt beginnt die kleine Bande, sich außerhalb des Nestes umzusehen. Eher unfreiwillig als beseelt von Abenteuerlust kullern sie nach draußen, wenn die Mama sich eine kurze Auszeit vom Babydienst gönnt. Aber die Katzenmutter ist anfänglich noch zu besorgt, als dass sie die ersten unfreiwilligen Ausflüge ihrer Kinder nicht sofort beenden würde, sobald sie deren Hilferufe hört. Plötzlich geschieht in die- ser Woche ein kleines Wunder nach dem anderen: Die Ohren klappen sich aus und spitzen nun winzig aus dem Babypelz nach oben. Die Milchzähne sprießen. Innerhalb weniger Tage können die Kleinen beachtlich kratzen, beißen, fauchen und Haare sträuben. Sie schärfen ihre Sinne, vor allem auch den für Unsinn. Und am Ende der zweiten Woche beginnen die Beinchen ihren Dienst. So wird fast über Nacht aus einer Hand voll Hilflosigkeit ein richtig mobiles Kätzchen.

Kater sind anders
ALS IHRE SCHWESTERN

Kleine Kater sind aktiver als ihre Schwestern. Sie fangen schon kaum, dass sie stehen können mit Rumschubsen an. Das männliche Gerangel unter Geschwistern scheint für Katzenkinder ein sehr wichtiges Training zu sein. Denn es gibt interessanterweise kaum rein weibliche Würfe. Forscher glauben, dass die Natur hier korrigierend eingreift und immer dann, wenn kein Kater gezeugt wurde, ein Weibchen im Mutterleib hormonell vermännlicht wird. Der schwerste Katzenwelpe ist allerdings nicht automatisch ein Kater. Denn die Milchquellen werden anscheinend eher nach dem Zufallsprinzip verteilt. Einmal zugeteilt, bleibt die junge Schar ihrer jeweiligen Zitze treu. Interessanterweise machen das Hauskätzchen praktisch immer, aber Rassekätzchen eher selten, doch warum, ist nicht bekannt.

 

JUNGS SIND WICHTIG

Warum hat die Natur etwas gegen rein weibliche Würfe, und warum ist die Anwesenheit eines Jungen im Wurf so wichtig? Eine Erklärung könnte sein, dass so die Fortpflanzung gesichert wird. Katzenforscher glauben jedoch, dass das Pflicht-Männchen im Wurf auch für die Entwicklung der Jungtiere wichtig ist. Die eher spielfaulen Weibchen werden lebenstüchtiger, wenn sie von Brüdern herausgefordert und geärgert werden. Das stählt fürs Leben. Studien belegen, dass Weibchen, die mit Brüdern groß wurden, deutlich mehr mit Gegenständen spielen und auch das volle Repertoire des Gemeinschaftsspiels entwickeln, als solche, die nur mit Schwestern aufwachsen.