Die vierte Woche


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze


Ab jetzt zählt alles doppelt

Noch keinen Monat sind die Katzenkinder auf der Welt, und schon beginnen die wichtigsten Wochen ihres Lebens. Der Forscher nennt diese Zeit die "Präge- oder Sozialisationsphase". Alles, was jetzt an Eindrücken auf sie einstürmt, zählt doppelt, denn es beeinflusst nicht nur das momentane Verhalten, sondern auch das spätere. Es brennt sich richtig ins Bewusstsein, hinterlässt unlöschbare Spuren, die den Charakter später entscheidend beeinflussen. Und umgekehrt: Was ein Kätzchen bis zur etwa neunten Woche nicht kennen gelernt hat, kann zum Problem werden. Aber noch muss man es nicht übertreiben, denn die Prägephase beginnt ja gerade erst. In der vierten Woche ist wichtig, dass die Katzenkinder nicht zu isoliert aufwachsen. Jetzt werden die Kleinen freigegeben zum Streicheln. Kinder dürfen sie unter Aufsicht auf den Schoß nehmen, Besucher und Interessenten gibt man sie ruhig auf den Arm. Und da kann man schon Unterschiede wahrnehmen: Die einen maunzen kläglich, andere kuscheln sich an, ein drittes spielt unbeeindruckt mit einem Bändel. Wer jetzt nachschaut, ob er ein Mädchen oder ein Katerchen in der Hand hält, wird sich vermutlich schwer entscheiden können. Das Geschlecht lässt sich gerade jetzt schlecht erkennen. Am besten man guckt entweder wenige Tage nach der Geburt oder dann, wenn Katzenkinder acht Wochen alt sind.

Gesellschaft
TUT IHNEN GUT

Die sozialen Kontakte sollten so vielfältig sein wie möglich. Einen Hund an vierwöchige Katzenwinzlinge heranzulassen fällt schwer. Aber wenn es der eigene Hund ist, der Katzenkinder schon kennt und am liebsten eines davon adoptieren würde, dann darf man ihn nun den Kleinen vorstellen, wenn das nicht längst geschehen ist. Ob dieser Kontakt gut ist, zeigt sich daran, ob die Mutterkatze mit Fauchen und Knurren reagiert oder freundlich abwartet. Sie mischt sich jetzt immer weniger ein und lässt ihre Kleinen mehr laufen als bisher. Während ihre Kinder sich balgen, was allerliebst und tollpatschig aussieht, überwacht die Alte sie mit scharfem Blick, und manchmal gewinnt man den Eindruck, dass sie ihre Schwanzspitze nicht deshalb hin- und her bewegt, weil die Kleinen sich mit Vergnügen darauf stürzen, sondern damit die etwas fauleren ihres Wurfs auch endlich ins Training kommen. Ab der vierten Woche sollten Katzenkinder mit allem, was ihnen später begegnen kann, konfrontiert werden.

Von sich selbst
ÜBERRASCHT

Die Kätzchen, die bislang ihre Beine noch kaum sortieren konnten, lernen nun ganz neue Fähigkeiten kennen. So manches ist überrascht, dass es plötzlich allein auf ein Sofa hinaufklettern kann, und traut sich nicht wieder herunter. So üben Katzenkinder nicht nur, ihre Bewegungen zu koordinieren, sie entdecken auch, dass sie ganz etwas Neues bekommen haben, nämlich Zähne und Krallen, die man vielfältig einsetzen kann: beim Trinken an der Mutterbrust, bei Spielen, beim Scharren in der Streu, beim Spielen. Sie sind wehrhaft geworden, die kleine Katzen. Und diese "Waffen" werden jeden Tag fester und spitzer. Davon bleibt die Katzenmutter beim Säugen nicht verschont. Immer öfter wird sie gepiekst und entzieht sich ärgerlich ihren Kleinen. Überhaupt bestimmt jetzt die Mutter die Trinkzeiten und nicht mehr ihr Nachwuchs.

Appetit auf
MEHR ALS MILCH

Der kann mit den Mild zahnen, die zum Ende de vierten Woche komplett sine allmählich andere Nahrung z sich nehmen. Der Geschmack sinn ist schon mit drei Woche entwickelt und bei vier Woche alten Kätzchen voll ausgeprägt Das heißt, die Kätzchen schmecken jetzt auch, was sie fressen. So öffnet das erste feste Futter ihnen neue und überraschende Geschmackswelten. Um den empfindlichen Magen der Kleinen nicht zu überfordern, rührt man zum Eingewöhnen das Futter, das die Mutterkatze frisst, mit Wasser zu einem Brei an, Wer bislang noch keine Mini-Katzentoilette aufgestellt hat wird das jetzt tun müssen. Die beliebteste Einstreu ist feinkörnige, die klumpt und Geruch bindet. Sehen die Kleinen, wie die Großen ihr Geschäft machen lernen sie ganz von selbst, was dort von ihnen verlangt wird.

Isabella Lauer