Die siebte Woche



©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

 

Sport und Höhere Mäusemathik

Ein sieben Wochen altes Katzenkind entwickelt sich rasend schnell zum geschickten Jäger. Es tobt viel mit den Geschwistern,  springt hinter allem her, was sich bewegt, übt Hoch­sprung, Weitsprung, Mäusesprung und so manchen Sprung ins kalte Wasser.

Geschickt weiß es jetzt die Vorderpfoten einzusetzen. Wie man eine Ohrfeige verpasst, zeigt ihm .die eigene Mutter oft genug. Das ist für ein Katzenkind die einfachste Übung, wobei sich als Empfänger der Übungsohrfeigen die Geschwister besonders gut eignen, haben sie doch gerade dieselbe Lektion zu lernen. Bei Geschwisterkämpfen geht es ziemlich zur Sache. Sie beißen sich in die Ohren, krallen dem anderen ins Gesicht, verbeißen sich im Fell und schlagen mit den Hinterbeinen auf den Gegner. Da wird's ziemlich ungemütlich für alle beide, aber als Halter hält man sich besser einfach heraus. Denn sie verletzen sich nicht wirklich.

Von der Bewegung her ist das Schlagen einer Beute aus der Luft dem Austeilen von Ohrfeigen sehr ähnlich. Manche Katzen beherrschen diese Kunst, einen Vogel oder ein geworfenes Spielzeug aus dem Flug zu stoppen, schon in zartem Kindesalter. Schnell, kräftig und präzise zuzuhauen ist eine Stärke der Katzen, die sich mit sieben Wochen allmählich zeigt.

Werfen - Fangen
MUSS MAN ÜBEN

Schwieriger ist es für ein Katzenkind, mit den Krallen etwas herauszuangeln, nicht nur, weil es ziemlich vie Pfotenfertigkeit erfordert, sondern weil es nicht immer etwas zum Fischen gibt. Da Katzenkinder ihre Nase aber neugierig in alles stecken, was ein Geheimnis verspricht, werden sie doch immer wieder fündig, manchmal mehr, als uns lieb ist. Wer seinen Spaß an kleinen Kunststücken mit seiner Katze hat, bietet ihr jetzt Spring-, Spiel- und Tüftel-Aufgaben. Denn früh übt sich!

Und noch eine Fertigkeit können die Katzenkinder jetzt: Gegenstände selbst in die Luft wer­fen. Einkrallen und hochwerfen, hinterher springen, „totbeißen" und wieder hochwerfen. Damit kann sich ein Katzenkind auch lange allein beschäftigen.

Aktiv im Spie!
ODER TIEF IM SCHLAF

In diesem Alter kennen Katzen noch kaum diesen Wachzustand aus Dösen, Herumgucken, ein bisschen Herum­laufen, zum Schmusen Kommen und wieder auf dem Kratzbaum Einrollen. Sie toben entweder herum und sind wie ein Sack Flöhe kaum zu halten. Oder sie fallen in Tiefschlaf, und wir finden sie zusammengerollt überall und nirgends. Die Mutter belagern sie nur noch zwischendurch, weil diese „plötzlich" scharfe Kralen hat und sie ihrem Nachwuchs manchmal zu spüren gibt. Dennoch ist sie noch immer unschlagbar darin, den Katzenkindern das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln.

Countdown
DER PRÄGEPHASE

Auf der psychischen Ebene stellen sich jetzt die letzten Weichen. Denn während die Kleinen aktiv sind, läuft im Hintergrund der Countdown für die Prägephase: Wird es ein ängstliches Kätzchen ein mutiges, men­schenfreundliches, eines, das Hunde, Autofahren, Leinenspaziergänge mag?

Die letzte Woche der Prägephase kann man nutzen und gezielt Einfluss nehmen. Wenn es irgendwie einzurichten ist, kann ein solches Minikätzchen Teile seiner künfti­gen Lebens-, Schlaf- und Spiel­bereiche kennen lernen, wenn auch nur kurz, bei Besuchen oder kleinen Unternehmungen. Für einen Wechsel in ein neues Zuhause ist es aber noch viel zu früh.

Groß genug ist es jedoch, einmal im Auto mitzufahren oder einen katzenfreundlichen Hund kennen zu lernen. Man kann es im Wohnwagen herumschnuppern lassen oder ins Wochenendhaus mitnehmen. Ein erster Leinenspaziergang ist ebenfalls einen Versuch wert.

Der Prägung
FOLGT DIE LERNPHASE

Aber man übertreibt es besser nicht. Denn mit Pech geht etwas unerwartet schief, und dann sitzt der Katze fürs ganze Leben ein Schrecken im Nacken.

Zum Ende der siebten Woche ist dann weitgehend festgelegt, was die Individualität einer Katze ausmacht. Das Fenster der Sozialisation schließt sich, aber nun öffnet sich weit die Tür des Lernens.        

Isabella Lauer