Die sechste Woche


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

 

Die Schulzeit beginnt

Ab der sechsten Woche lehrt die Mutter ihre Kleinen das Leben nach Katzenart

Mit fünf Wochen sind Kätzchen nicht mehr auf die mütterliche Milchversorgung angewiesen, nuckeln trotzdem noch immer gerne an der Mutterbrust. Sie brauchen das für ihre kleine Katzenseele. Denn ohne mütterliche Geborgenheit fühlen sie sich noch sehr verloren und schutzlos auf dieser Welt. Und doch wird es Zeit für sie, erwachsen zu werden.

Damit das schnell geht, zeigt die Mutter ihren Kleinen jetzt verstärkt, wie man sich auf Katzenart durchs Leben schlägt Katzenkinder haben zwei Fächer in der mütterlichen Schule: Benimm und Mäusefang. Beides lernen sie bei Spiel und Spaß, denn für etwas anderes sind sie kaum zu begeistern.

Katzengerechter Mäusefang

In Sachen Mäusefang gibt sie, sofern sie selbst raus darf, jetzt richtigen Intensiv-Unterricht mit Übungsmäusen von draußen. Die haben dann das Schicksal, halbtot zwischen eine Bande Katzenkinder fallen gelassen zu werden. Die Katzenmutter fängt sie wieder, lässt sie erneut frei, bis sie schließlich ihrem neugierigen Publikum vorführt, wie eine Maus katzengerecht getötet wird.

Früh zeigt sich, Wer ein Supermauser ist

Die Begabung zum Super-Mauser zeigt sich bei den Kleinen eines Wurfs ganz früh. Manchen gelingt es schon in der sechsten Woche, die Übungsbeute zu fangen. Eine Maus, die ein junges Kätzchen nicht für voll nimmt, wird möglicherweise nur noch kurz Gelegenheit haben, ihren Irrtum zu bereu­en. Andererseits hat ein wirklich unerschro­ckener Nager noch die größten Chancen, heil davonzukommen. Er darf nur nicht den Fehler machen davonzulaufen. Das nämlich löst erst den Schlüsselreiz für Mäusefang bei dem Kätzchen aus, und einmal Maus erwischt, immer Maus erwischt.

Das Töten lernt das Kleine von der Mutter, das Fangen kann es automatisch. Denn das ist ein Instinkt. Wenn man gerne einen Mäusefänger hätte, sollte die ausgewählte Katze deshalb schon, bevor sie acht Wochen alt ist, Kontakt mit Mäusen gehabt haben. Liegt einem jedoch daran, dass die Katze Hamster, Farbmaus, Meerschwein, Stubenvogel oder andere Tiere in Ruhe lässt, muss man sie spätestens jetzt unter ständiger Kontrolle zusammenbringen - ohne Mutterkatze in der Nähe. Nur so lässt sich eine Katze darauf prägen, ein Beutetier als Freund anzusehen.

Babys werden auch mal angefaucht

Diese letzten Wochen der Prägephase nutzt die Mutterkatze, ihrem verspielten, frechen, zunehmend übermütigen Nachwuchs Manieren beizubringen. Allzu heftiges Toben um die Mutter quittiert sie nicht länger mit Geduld, sondern immer öfter mit Ohrfeigen. Den Kleinen werden engere Grenzen gesetzt. Sie erfahren, dass es nicht gut ankommt, wenn man Mamas Schwanzspitze in einer mörderischen Attacke zerfetzen möchte. Oder dass man nicht mit ausgefahrenen Krallen über ihr Gesicht rutscht, oder dass es für die Kinder verboten ist, mit aufs Bett von Frauchen zu klettern.

Etwa um die sechste Woche hört man zum ersten Mal, wie die Mutter eines ihrer Jungen richtig böse anfaucht. Der Ernst des Lebens beginnt. Dabei sind ihre jetzt etwa 600 Gramm schweren „ABC-Schützen" doch noch rechte Schlafmützen. Vom Spielen und Toben sind sie fast immer so müde, dass sie ohne viel zu kuscheln sofort in tiefen Schlaf sinken. So niedlich sie mit sechs Wochen auch sein mögen - zum Schmusen haben sie wenig Zeit oder sind einfach vie zu müde dazu. Dafür hat die Mutterkatze einen ganz großen Nachholbedarf an Streicheleinheiten. Und sie kommt jetzt wieder mehr zum Schmusen.

Isabella Lauer