Die fünfte Woche


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

Putzige Zeiten beginnen

Die Kätzchen sind in der fünften Woche noch sehr tollpatschig. Sie spielen tapsig, üben sich in der komplizierten Katzenwäsche oder stürzen sich auf unsicheren Beinen ins Kampfgetümmel oder auf eine Übungsmaus, die die Mutter ihnen bringt. Sie lernen mit Riesenschritten, denn zum Ende der fünften Woche können sie endlich klarsehen, fressen auch schon festes Futter und benutzen die Toilette.

Fleisch-Lust

Ein so kleines Katzenbaby wird vom Spielen ganz schnell hungrig und müde. Bauernhofkätzchen fangen mit fünf Wochen an, Mäuse zu fressen. Wohnungskatzen gelüstet jetzt nach festerem Dosenfutter, am besten hochwertige Katzenkinder-Nahrung. Die muss man auch nicht mehr mit Wasser anrühren. Die Kleinen nuckeln trotzdem noch viel an der Mama und schlafen am liebsten an den Zitzen ein, wohlig angeschmiegt an die Geschwister. Die Mutter liegt nur noch gelegentlich allein den Babys zuliebe bei ihnen, sonst geht sie allmählich zu ihrem normalen Leben über. Sie schleckt ihre Kinder zwar noch immer gerne sauber. Die aber beginnen, sich selbst zu putzen. Und das sieht sehr süss aus, wenn sie ernst und beflissen versuchen, das Hinterteil zu erreichen, dabei umkippen und immer wieder ihre Pfoten sortieren müssen. Der Bein-hoch-Putzknoten ist ja auch wirklich schwer.

Voller Durchblick

Kätzchen, die in einer dunklen Scheune oder in einem Keller gefunden wurden, müssten spätestens in der fünften Woche ans Tageslicht und möglichst einigen verschiedenen optischen Reizen ausgesetzt werden. Denn das Gehirn schließt mit Ende der fünften Woche, wenn die Augen richtig aufklaren, das Sehzentrum für neue "Programme". Der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer erklärt das: "Bei Katzen dauert die Phase, in der die Sehrinde ihre Verschaltungen unter Einbeziehung von Erfahrung ausbilden muss, etwa bis zur sechsten Lebenswoche. Wenn man sie darüber hinaus im Dunkeln hält und erst später der Sehwelt aussetzt, bleiben die Sehleistungen beeinträchtigt. Bei Menschen dauert das länger, wir haben etwa ein Jahr Zeit."

Toiletten-Training

Die Jungen lernen den Umgang mit dem Kistchen ganz leicht und manchmal sogar von selbst, weil sie die Mutter dabei beobachten, wie sie auf die Toilette geht. Will oder muss man den Nachwuchs ans Katzenklo gewöhnen, ist etwa eine Viertelstunde nach der Fütterung der beste Moment, das Kätzchen in die Kiste zu setzen. Nützlich ist, ein bisschen mit dem Finger in der Streu zu scharren. Das Kätzchen wird vermutlich sofort davonhopsen wollen. Schnappen Sie sich den Toiletten-Flüchtling und setzen ihn zwei- oder dreimal zurück. Häufchen, die danebengehen, werden nicht direkt weggeworfen, sondern als Anschauungsmaterial für den Urheber ins Kistchen gelegt. Bei Kätzchen, die von Hand aufgezogenen werden, muss man nur aufpassen, dass sie keine Streu verschlucken. Denn sie können den Zweck der Kiste nicht über andere Katzen erfahren und probieren aus, was man damit tun kann. Besonders die beliebte Klumpstreu kann im Magen des Kätzchens einen gefährlichen Stein bilden. Zum Eingewöhnen nimmt man dann besser grobkörnige Streu. Aber spätestens mit acht Wochen werden sich auch dem letzten Kätzchen die Geheimnisse der mit Streu gefüllten Schüssel offenbart haben, und man kann die gewohnte Sorte wieder verwenden.

Isabella Lauer