Die erste Woche


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

Zum Leben erschleckt und sauber geleckt

Die Geburt ändert alles und doch nicht wirklich viel. Denn der Weg in ein selbstständiges Katzenleben besteht aus ganz kleinen Schritten. Dabei bringt ein neugeborenes Katzenkind schon vieles an Erfahrungen, Sinneswahrnehmungen und Fähigkeiten mit, die ihm jetzt helfen, außerhalb zu überleben. Völlig neu ist natürlich das Atmen. Aber schon dos Trinken an sich hat ein Katzenkind im Fruchtwasser gelernt. Der Unterschied zu früher ist: Es muss die Trinkquelle zu Fuß finden. Gar nicht so leicht wenn man noch nichts sehen kann. Zum Glück riecht ein Kätzchen, wo's langgeht. Es merkt aber auch, dass die Konkurrenz von "drinnen" jetzt immer noch da ist, und es weiß instinktiv: Nur die beste Zitze ist gut genug. Und so erobern die kräftigsten Geschwister die besten Plätze, und ein schwaches muss nehmen, was übrig bleibt.

Schwerer Kopf
UND WEICHE FÜSSE

Auch das kennt das Katzenkind von früher: Um die besten Plätze hatte es schon gekämpft, als es noch drinnen war. Jetzt ist es allerdings noch mühsamer: Die Schwere des abgenabelten Lebens lastet auf ihm - der Kopf ist fast zu schwer, um getragen zu werden. Und die Füßchen sind noch wie Butter. Aber die Mutter hilft ja - nur nicht sofort. Erst wird gewaschen. So verschmiert und schmutzig wie Neugeborene sind, lässt die Katzenmutter noch keinen trinken. Sie befreit sie aus der Eihülle, beißt die Nabelschnur ab und wäscht sie gründlich sauber und trocken. Nachdem sie so ihren Nachwuchs buchstäblich zum Leben erschleckt hat, dürfen die Kleinen an die Zitzen robben, von der Mutter gelotst, gestupst und geschubst.

Schnurren
TRINKEN, SCHLAFEN

Die Füßchen gewinnen zwar an Kraft im Lauf der ersten Woche. Die Abhängigkeit von der Mutterkatze bleibt noch der Geburt jedoch unverändert. Der Nachwuchs trinkt und schläft, wird ausgiebig von der Mutter geleckt, damit sie , und die Wurfkiste sauber bleiben und damit die Verdauung der Kätzchen gut funktioniert. Wer genau hinhört, kann die Winzlinge bei diesem ersten Streicheln schon schnurren hören. Verhältnismäßig gut ist die Stimme entwickelt. Das Mimimi der Kätzchen ist zwar nicht wirklich laut, alarmiert die Mutter jedoch sofort, den Abtrünnigen wieder am Nacken zu packen und ins Nest zurückzubringen. Das Kätzchen fällt dabei in die Tragstarre, das heißt, es macht sich steif, um besser getragen werden zu können. Und sie werden tatsächlich herumgeschleppt: Hauskatzen (mehr als Rassekatzen) folgen in der ersten Woche nach der Geburt einem Instinkt, der sie dazu anhält, das Wurflager zu wechseln - eine Sicherheitsmaßnahme gegen Nesträuber und räubernde, fremde Kater. An ihren kleinen Schatz lässt die Katzenmutter nur vertraute Menschen. Wer unerlaubt einem Kätzchen zu nah kommt, kann auch schon sein kleines blaues Wunder erleben: Er wird von dem Winzling angefaucht - sozusagen blindlings.