Die dritte Woche


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze


Jetzt zeigt sich, wer der Stärkere ist

Zwei Wochen lang haben die Kätzchen nur geschlafen und getrunken. Jetzt wird ihnen das allmählich langweilig Sie sehen die Welt endlich mit scharfen Augen, können erkennen, was hier Spannendes auf sie wartet, und werden damit mutiger und unternehmungslustig. Im Erkennen, dass es den Geschwistern ebenso geht, überkommt sie die Lust zu spielen! Probehalber stupst das eine das andere mit der Pfote an, bekommt ein paar Tapser zurück, wirft sich mit seinen 200 Gramm Körpergewicht über den Nachbarn, und das erste Gerangel beginnt. Was sie wollen, ist noch lange nicht das, was sie auch können. Mit zwei Wochen stehen Kätzchen am Übergang von hilflos bis rettungslos, arglos und tollpatschig. Ohne eigene Lebenserfahrung sind sie vollkommen auf ihre Mama angewiesen, auch was ihre ersten Ausflüge aus dem Nest bzw. das Zurückfinden angeht. Denn dabei handelt es sich häufig um versehentliche Hinaus -Flüge ohne Absicht und Ziel, dafür aber mit Frieren, Einsamkeit und Angst. Zum Glück eilt auf ein klägliches Miau die Katzenmama ihrem Sprössling sofort zu Hilfe.

Die Katzenmutter
NABELT SICH AB

Im Lauf der dritten Woche wird für die Katzenmama einiges leichter, anderes anstrengender. Sie kann sich wieder freier bewegen, weil die Jungen nicht mehr so lange und off trinken. Sie darf sich wieder Mäusefangen gönnen. Für ihre Kleinen bestimmt sie die Essenszeiten selbst - auch deshalb, weil die Kätzchen mit den sprießenden Milchzähnchen ihren Zitzen arg zusetzen. Auf der anderen Seite sind die Katzenmütter mehr gefordert, wenn sie von ihren Unternehmungen zurückkommen. Denn dann müssen sie erst einmal die Babys, die zu früh aufgewacht und herumgewandert sind, wieder ins Lager zurück tragen. Gegen Ende der dritten Woche führen sich einige der Kleinen schon ganz schön frech auf. Dann funkt die Katzenmutter ordentlich dazwischen und stellt Ruhe und Ordnung wieder her. Mit drei Wochen zeigt sich, wer der Stärkste im Wurf ist. Besser gesagt: welche die Stärkste ist: Häufig ist ein Weibchen rundlicher, wohlgenährter und größer als die Brüder. Das ist für die Kater eine Erfahrung fürs Leben: "Leg dich nicht mit Frauen an; die sind überlegen."

Feste Nahrung,
EIGENE VERDAUUNG

Zum Glück für die Katzenmutter ist sie jetzt aus dem Gröbsten raus. Nicht länger ist ihre Unterstützung bei der Verdauung der Babys notwendig. Denn ab dem Ende dieser i Lebenswoche gelingt es dem kleinen Katzenkörper, seine Verdauung eigenständig zu Ende zu bringen. Für Ausnahmefälle steht die Katzenmutter noch immer bereit, um bei Problemen sofort mit einer Bäuchleinmassage einzuspringen. Wer will, kann die Mutter unterstützen, indem er das Bäuchlein kreisend streichelt. Besonders aufmerksam sollte man die Verdauung der Kätzchen beobachten, wenn man den Wurf allmählich ans Katzenfutter heranführt. Es ist ab jetzt möglich, Katzenbabynahrung mit Wasser zu weichem Brei verrührt anzubieten. Auch Wasser dürfen die Kleinen trinken. Und nichts spricht dagegen, jetzt eine kleine, flache Katzenkinder-Toilette aufzustellen. Steht sie nahe beim Wurflager, findet das Kätzchen auch wieder dorthin zurück.

Isabella Lauer

WIE DER VATER, SO DER SOHN?

Vom Vater männliche Verhaltensweisen abzugucken ist einem Katerchen nicht vergönnt. Denn einen ausgewachsenen Kater oder gar den leiblichen Vater bekommt es meistens gar nicht zu sehen. In den ersten beiden Lebensmonaten wird er daher kein männliches Vorbild haben. Und doch hindert das den Jungkater nicht daran, so zu werden wie der Papa. Forscher fanden nämlich heraus, dass die Kätzchen sich überhaupt mehr wie ihr Vater als wie ihre Mutter verhalten. So ist der Charakter eines Katerchens dem des Vaters ähnlich. Und zum klassischen Katzen-Macho wird es ja ohnehin allein deshalb, weil die Hormone dafür sorgen. Da haben die Kater im Spiel der Geschlechter eindeutig die bessere Rolle. Sie dürfen herumstromern und ihre Gene unter den Weibchen verteilen, während diese den gemeinsamen Nachwuchs erziehen müssen.