Die achte Woche


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

 

Außer Rand und Band

Sie springen die Hände und Füße an, stürmen die Hosenbeine hinauf und spazieren über den Esstisch. Sie kennen keine Grenzen - es sei denn, man setzt sie ihnen. Und zwar spätestens jetzt. Wir Menschen sollten uns nichts mehr von den Kleinen gefallen lassen, was wir nicht wollen. Die Katzenmutter tut es nämlich auch nicht.

Die Lust am Spiel
ERREICHT DEN GIPFEL

Es ist alles nur Spiel für das Katzenkind, und mit der Mutter spielt es eben besonders gern. Mit der achten Lebenswoche erreicht die Freude am Spiel dann auch ihren Höhepunkt. Für die leicht genervte Mutter ist es allerdings nicht besonders lustig, in den Schwanz gekrallt oder gebissen zu werden, vielleicht sogar gleich von mehreren Söhnen und Töchtern. Andererseits muss man sie, die Mutter, in Verdacht haben, das vielleicht aus erzieherischen Gründen zu provozieren, wenn sie so missbilligend ihre Schwanzspitze bewegt Dass das für die Kleinen unwiderstehlich sein wird weiß sie sicherlich instinktiv. Ihr Nachwuchs soll vielleicht auch lernen, welches Verhalten unter Katzen gefährlich ist. Allmählich kommen die Jungtiere auch immer öfter mit älteren Katzen in Kontakt und lernen, was erlaubt oder nicht erwünscht ist.

Der Radius, in dem sie ihren Unfug treiben, wird immer größer, und man kann gar nicht vorsichtig genug sein und auf das Katzenkind stets gut aufpassen. Je größer sein Bewegungsspielraum wird, desto gefährlicher wird es. Das Katzenkind ist unerfahren, kennt keine heißen Herdplatten, erkundet offene Waschmaschinen von innen oder fällt beim Versuch, die Garten - Wassertonne von innen anzusehen, hinein und ertrinkt. In der achten Woche klingt die frühkindliche Prägephase aus. Das Katzengehirn ist fertig strukturiert und bereit, Kenntnisse, Wissen, Erfahrungen und Eindrücke abzuspeichern. Vergleicht man es mit einem Computer, sind die Programme nun fertig aufgespielt, so dass damit gearbeitet werden kann. Das merkt man auch deutlich am Verhalten der Katze. Sie handelt nicht mehr so instinktiv, sondern überlegter, wenn man es so benennen will. Negative Erfahrungen, die ein Kätzchen ab jetzt macht oder machen muss, prägen sich nicht mehr unbedingt für ewig ein, sondern sie können auch mit der Zeit wieder vergessen oder durch neue Erfahrungen überschrieben werden.

Es wird Zeit,
SICH ABZUNABELN

Selbst ein solcher Treibauf kuschelt noch gerne mit der Mama. Diese will das jedoch immer weniger. Auch wenn die Interessenslage der beiden in diesem Fall leicht unterschiedlich ist und die Kätzchen schon am Ende der achten Woche bei einem neuen Halter zurechtkommen, fehlt ihnen doch der mindestens vierwöchige "Abnabelungs"-Prozess. Genau genommen sind das vor allem eine Menge Tatzenhiebe, die es stecken muss, bis es kapiert, dass Mama nicht länger eine kuschelbereite Milchtankstelle ist.

Vertreibung
AUS DEM PARADIES

Weil das für uns Halter zeitweise richtig weh tut, denken viele, dass die Zeit für einen Wegzug des Nachwuchses gekommen ist. Dabei ist es wichtig für das Katzenkind, dass die Mutter noch Zeit hat, es "abzuschlagen", wie man die Zeit des Knurrens und Murrens der allmählich nur noch vom Nachwuchs genervten Katzenmütter nennt. Nur so hört die Sehnsucht der Katzenkids nach der Nuckelei an der Mutterbrust auf. So lernen sie, sich erwachsen zu fühlen - und zu benehmen natürlich auch.

Isabella Lauer