Impfungen


©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

Umstrittene Impfungen
Nach wie vor unentbehrlich


Der beeindruckende Erfolg mancher Schutzimpfungen kann diese zu ihrem eigenen Feind machen."
So schreibt Professor Dr. Sieghart Dittmann von der Ständigen Impfkommission beim RobertKoch-Institut in Berlin in einem Artikel im Bundesgesundheitsblatt vom April 2002.


Sein Artikel "Risiko des Impfens und das noch größere Risiko, nicht geimpft zu sein" bezieht sich zwar auf den Menschen, aber er kann problemlos auf die Katze übertragen werden. Anlass des Artikels, ja dieser ganzen Ausgabe des Bundesgesundheitsblattes, die sich mit dem Impfen beschäftigte waren zwei Masernepidemien. Eine davon brach im Herbst des vergangenen Jahres in Coburg aus und führte dazu, dass von rund 1000 Erkrankten 43 Personen stationär behandelt werden mussten. Die andere grassierte dieses Jahr in Italien und forderte bisher das Leben von drei Kindern.


Seuchenzüge sind selten geworden


Grund für den Ausbruch der Masern ist die zunehmende Impfmüdigkeit in Europa. Die ursache für die laxe Einstellung zur Impfung liegt sicherlich darin, dass wir in Europa nur noch selten Seuchenzüge und ihre verheerende Wirkung erleben.
Und zwar deshalb, weil die Bevölkerung hier noch relativ gut durchgeimpft ist. So erklärt sich Dittmanns Satz, dass der Erfolg mancher Schutzimpfungen diese zu ihren eigenen Feind machen kann.


Ähnlich verhält es sich bei Tieren. Tierbesitzer wiegen sich nicht selten in Sicherheit, weil sie nicht mehr erleben, wie eine ganze Katzenpopulation z.B. von der Parvovirose dahingerafft wird. Warum, fragen sich diese Besitzer, sollen  wir unsere Katze impfen lassen, gegen eine Krankheit, die wir noch nie gesehen haben.  Zumal das Impfen selbst ja nicht ungefährlich sein soll.



Impfkritiker auf dem Vormarsch


Heutzutage werden den Impfungen zahllose Nebenwirkungen nachgesagt. Tatsächlich können Impfungen auch unangenehme Folgen haben, Entzündungen an der Stichstelle, Unwohlsein und erhöhte Temperatur in den Tagen kurz nach der Impfung gehören zu den anerkannten und z.T. auch gewünschten Impfreaktionen. Schließlich sind sie nichts anderes als Symptome dafür, dass sich das Immunsystem mit dem Impfstoff auseinandersetzt und Abwehrstoffe gegen den jeweiligen Krankheitserreger bildet. Doch dass Impfungen so schlimme Krankheiten wie Autoimmun-Erkrankungen, Allergien und Krebs auslösen können, wird zwar von Impfkritikern vermutet, aber ist bis heute nicht bewiesen.







      

 

 


  Mit einer einzigen Ausnahme, nämlich mit dem Fibrosarkom an der Injektionsstelle bei Katzen, die gegen Leukose geimpft worden waren, erscheinen die Vermutungen der Impfkritiker wie an den Haaren herbeigezogen.
   Ein Fibrosarkom ist ein bösartiger Tumor des Bindegewebes und muss chirurgisch entfernt werden. Solche Fibrosarkome wurden häufiger bei Katzen entdeckt, die gegen Leukose geimpft worden waren, als bei ungeimpften Tieren.
Doch auch bei den geimpften ist ein Fibrosarkom außerordentlich selten. Nur eine von etwa zehntausend Katzen ist davon betroffen. Zum Vergleich: An Leukose sterben dagegen zwei bis sechs von hundert infizierten und ungeimpften Katzen. Diese Zahlen sprechen für sich und für eine Impfung.

lmpfung nach Bedarf


Allerdings sollten auch nur Tiere geimpft werden, die auch Leukose gefährdet sind. Das sind Katzen, die Kontakt zu fremden Artgenossen haben, also Freilaufkatzen. Wohnungskatzen brauchen keinen Leukoseschutz.  Wohl aber einen Impfschutz gegen Parvovirose und Katzenschnupfen. Denn die Erreger diser Krankheiten reisen als blinde Passagiere mit den Menschen in die Wohnung ein und können die ungeschützte Katze gefährden.


Freilaufkatzen sollten über einen Tollwutschutz verfügen. Zum einen, weil Tollwut eine tödliche Krankheit ist und auch das Leben von Menschen bedroht, und zum anderen, weil die Tollwutimpfung einen rechtlichen Schutz für die Katze bietet.
Erklärt der Amtstierarzt nämlich das Streifgebiet der Katze zum Tollwutbezirk, kann er auch die Tötung aller ungeimpften Hunde und Katzen veranlassen. Das mag grausam erscheinen und fällt dem Amtstierarzt sicherlich nicht leicht, doch der Schutz von Menschenleben geht hier vor.
Auch wenn Sie mit der Katze ins Ausland verreisen, ist die Tollwutimpfung Pflicht. Wenn Sie die Katze während der Ferien hingegen in einer Tierpension unterbringen wollen, müssen Sie meist einen Impfschutz gegen Parvovirose, Katzenschnupfen, Tollwut und manchmal auch Leukose und FIP nachweisen.


Hundert Prozent gibt es nicht


In der Medizin gibt es keine hundert Prozent und so kann eine Katze trotz Impfung krank werden. Doch diese Impfdurchbrüche sind sehr selten und die Krankheit verläuft dann meist milder. Um den größtmöglichen Impfschutz zu erhalten, sollten Sie Folgendes beachten: Entwurmen Sie die Katze etwa eine Woche vor der Impfung. Außerdem sollte die Katze zum Zeitpunkt der Impfung keine fieberhafte Erkrankung haben. Nach der Impfung gönnen Sie ihr etwas Ruhe - schon damit sie sich von den Strapazen des Tierarztbesuches erholen kann.


Barbara Welsch
Tierärztin

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