Diabetes


Neue Mittel zur Diabetes-Behandlung

PiIIen statt pieksen

Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, ist auch bei Haustieren weit verbreitet. Wird sie nicht behandelt, kann es zu schweren Schäden von Nerven und Stoffwechsel kommen.

©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

Etwa eine von 400 Katzen ist zuckerkrank. Ähnlich wie beim Menschen unterscheidet man bei der Katze zwei Arten von Diabetes:
Typ 1, der bereits in jungem Alter auftritt, und den vermutlich häufigeren Typ 2, der vor allem alternde und übergewichtige Tiere betrifft.

Diabetes ist gekennzeichnet durch eine krankhafte Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Verantwortlich ist ein Mangel des Hormons Insulin: Ohne ausreichenden Insulinspiegel können die Zellen die Glukose im Blut nicht aufnehmen und verwerten.Als Folge steigt der Blutzucker stark an und verursacht die typischen Symptome: vermehrtes Urinieren, da überschüssige Glukose über den Harn ausgeschieden wird und Wasser bindet sowie als Folge eine erhöhte Wasseraufnahme.
Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln sich bei Katzen oft Nervenschäden mit Bewegungsstörungenen und Verdauungsbeschwerden. Im Endstadium kommt es zu Stoffwechselstörungen bis hin zu Gelbsucht und Schock.
Sehr wichtig ist es, bei ersten Anzeichen wie vermehrtem Durst und Urinieren schnell zu handeln. Denn die Zuckerkrankheit ist umso besser behandelbar, je früher eingegriffen wird. Zum Teil können die Katzen nach einer zeitweiligen Therapie sogar wieder völlig gesund werden.

Normalerweise brauchen Katzen etwa 60-100 ml Wasser je kg Körpergewicht. Ein Teil davon ist schon im Futter enthalten. Bekommt die Katze z.B. Feuchtfutter, liegt der zusätzliche Wasserbedarf nur bei etwa 20 ml je kg Körpergewicht.Trinkt die Katze deutlich mehr, sollte der Tierarzt den Blutzucker beim nüchternen Tier bestimmen. Ist er über der Norm, können zur Bestätigung weitere Tests dienen, da mitunter auch gesunde Katzen bei Stress erhöhte Werte zeigen. Bestätigt sich der Verdacht auf Diabetes, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die am häufigsten angewandte Therapie besteht in der Gabe von Insulin, das den Mangel an dem Hormon ersetzt. Es muss täglich gespritzt werden, was für den Besitzer aber einfach zu erlernen ist.

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Inzwischen werden auch Antidiabetika (vor allem Glipizid) in Form von Tabletten eingesetzt, die auf die vorhandenen Insulin-Reserven des Körpers wirken. Im Spätstadium und bei dem seltener auftretenden Typ 1 sind diese allerdings kaum erfolgversprechend.

Gleichzeitig müssen übergewichtige Katzen abnehmen, allerdings möglichst schonend, um Komplikationen zu vermeiden. Eine Annäherung an das Normalgewicht über zwei bis vier Monate ist ideal. Durch Bewegung wird die körpereigene Kontrolle des Blutzuckers verbessert. Die Katze sollte über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten erhalten. Besteht kein Übergewicht, kann sie auch ad libitum gefüttert werden, also freien Zugang zum Futter haben. Das Hauptziel bei der Behandlung ist die Verbesserung der klinischen Anzeichen. Dabei ist die Hilfe des Besitzers entscheidend: Er muss die Wasseraufnahme und Ausscheidung der Katze überwachen. Auch alle anderen Symptome (siehe Kasten) sollten abklingen.

Was Besitzer tun können

Manchmal ist die regelmäßige Messung der Blutglukose beim Tierarzt nötig, was jedoch recht aufwendig ist. Claudia Reusch und Kollegen von der Tierklinik der Universität Zürich haben deshalb eine Methode entwickelt, mit der Tierbesitzer zu Hause einfach und verlässlich den Blutzucker ihrer Katze messen können. Dazu dienen ein Messgerät und automatische Lanzetten. Die Katzen gewöhnen sich in der Regel gut an den Pieks an der Ohrmuschel und die Besitzer können abschätzen, ob die Insulin-Dosis stimmt. So wird auch die Gefahr einer Insulin-Überdosierung verringert. Denn die Folge wäre ein lebensgefährliches Absinken des Blutzuckerspiegels. Anzeichen dafür sind Nervosität, Angst, Maunzen, Muskelzittern, Bewegungsstörungen und erweiterte Pupillen. In diesem Fall sollte der Katze sofort Futter angeboten werden, notfalls Traubenzucker in die Backen gegeben und das Tier zum Tierarzt gebracht werden. Damit es nicht dazu kommt, sollte die Insulin-Dosis im Zweifel eher sparsam gewählt werden. Wenn die Symptome abgeklungen sind, ist das Therapieziel im Grunde erreicht, auch wenn sich der Blutzucker noch nicht im Normbereich befindet. Ähnliches gilt, wenn mal ein Teil der Insulin-Injektion danebengeht. Dann sollte keinesfalls nachgespritzt, sondern beim nächsten Mal wieder ganz normal dosiert werden. Ein einmaliges Aussetzen mit der Behandlung ist unbedenklich, aber ein Zuviel kann lebensbedrohlich sein.

Dr. med. vet. Thomas Görblich

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So erkennen Sie erste Anzeichen:

Falls die Katze viel Wasser trinkt und häufig uriniert, besteht der Verdacht auf eine ernsthafte Erkrankung. Nicht immer muss es sich dabei um Diabetes handeln, harmlos sind diese Anzeichen jedoch fast nie. Bei einigen Katzen entwickeln sich neurologische Störungen:
Typisch ist ein so genannter plantigrader Gang: Die Hinterbeine setzen nicht nur mit den Pfoten auf, sondern mit dem ganzen Bein bis zum Fersen gelenk, so als wäre die Katze in der Hocke. Chronische, Verdauungsstörungen wie Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust können ebenfalls auf Diabetes hinweisen. Warten Sie bei einem Verdacht nicht ab, sondern beraten Sie sich baldmöglichst mit ihrem Tierarzt: je eher Diabetes behandelt wird, desto besser stehen die Chancen auf ein langes beschwerdefreies Leben für die Katze.