Asthma


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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Geliebte Katze

Meist geschieht es ohne Vorwarnung: Plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ringt die Katze mit angstgeweiteten Augen um Luft. Sie kauert auf dem Boden, spreizt die Ellbogen ab und atmet durch den geöffneten Mund. Diese Atemnot ist immer ein Notfall, bei dem sofort der Tierarzt aufgesucht werden sollte. Denn insbesondere wenn die Katze bereits bläuliche Schleimhäute hat, besteht Lebensgefahr.

Glücklicherweise verläuft ein Asthmaanfall nicht jedesmal so dramatisch, ein Grund für den schnellen Tierarztbesuch, ist er aber immer. Nehmen Sie daher alle Zeichen, die auf Schwierigkeiten mit der At mung hindeuten, sehr ernst. Zeichen für Atemnot können z.B. Atemgeräusche sein oder eine beschleunigte Atmung.
Eine gesunde Katze in Ruhe atmet ca. 20-25 Mal pro Minute, 30 Mal pro Minute können noch normal sein und bei Aufregung oder nach Anstrengungen kann die Atemfrequenz über 60 Züge pro Minute betragen. Die Atmung beobachtet man an der Flanke am Übergang von Brust zu Bauch. Dort sieht man das Heben und Senken des Brustkorbes am besten.

Asthma ist nur eine Möglichkeit

Obwohl Atemnot viele Ursachen (u. a. Verletzungen des Brustkorbs, Lungenentzündungen oder Lungenödeme) haben kann, liegt der Verdacht von Asthma nahe, wenn der Anfall plötzlich und scheinbar grundlos auftritt, ihm also weder eine fieberhafte Erkrankung noch ein Unfall noch eine Rauchvergiftung vorausgingen. Ein ähnliches Krankheitsbild entsteht auch beim Kehlkopfkrampf, der aus scheinbar heiterem Himmel der Katze die Luft zum Atmen nimmt.
Der Kehlkopfkrampf wird bei empfindlichen Katzen meist durch das Einatmen ätherischer Öle, von Zigarettenrauch oder Räucherstäbchen ausgelöst. Es kann daher nie genug vor so genannten Aromatherapien mit ätherischen Ölen bei Katzen gewarnt werden.
Asthma ist hingegen eine allergische Reaktion. Eine Allergie ist eine Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems. Es bekämpft plötzlich völlig harmlose Stoffe und löst im Rahmen dieses Kampfes Entzündungen aus. Im Falle von Asthma ist das eine Entzündung der Bronchien, eine Bronchitis. Während eines akuten Asthmaanfalls kommt es außerdem zu Bronchialkrämpfen, die die Atmung zusätzlich erschweren.

Allgemein für Allergien gilt:
Man kann nur gegen das allergisch werden, was man kennt. Das bedeutet, dass die Katze plötzlich einen Stoff nicht mehr verträgt, mit dem sie zu vor jahrelang problemlos gelebt hat. Die Zahl der möglichen Allergene, also der Stoffe, die eine Allergie auslösen, ist endlos. Ähnlich wie beim Menschen verursachen häufig Hausstaubmilben, Schimmelsporen und Pollen die Allergie. Mittels Tests können Katzen auf etwas über 20 dieser Allergene getestet werden. Doch bevor man solch einen Test veranlasst, sollte sich der Haustierarzt relativ sicher sein, dass es sich tatsächlich um ein allergisches Asthma handelt.

Den Allergenen auf der Spur

Neben dem klinischen Bild können Röntgenbilder der Lunge und eine Untersuchung des Bronchialschleims den Verdacht auf ein allergisches Asthma erhärten. Für die weitergehende Untersuchung stehen zwei Testmethoden zur Verfügung: der Hauttest und der Bluttest.
Beim Hauttest schert und rasiert der Tierarzt eine Fellfläche der Katze. Anschließend ritzt er die Haut leicht ein und träufelt auf jede"Mini-Verletzung" ein genau definiertes Allergen. Kommt es an einem dieser Punkte zu einer Schwellung der Haut, kann der Tierarzt von einer Allergie auf diesen bestimmten Stoff ausgehen. Eleganter als der aufwändige Hauttest, der außerdem meist nur unter Narkose der Katze durchgeführt werden kann, erscheinen Bluttests, die spezialisierte veterinärmedizinische Labors heutzutage anbieten. Der Haustierarzt schickt eine Blutprobe an das Labor und erhält einige Tage später das Ergebnis.
Doch kann mittels dieser Tests eben nur die Reaktion auf die häufigsten und ganz bestimmte Allergene festgestellt werden. Das bedeutet: Allergien auf andere Stoffe kann der Test nicht erkennen. Trotzdem lohnt sich der Test bei allergischen Katzen. Denn sollte die Katze tatsächlich auf einen der getesteten Stoffe allergisch reagieren, kann der Tierarzt eine Hyposensibilisierungs-Therapie versuchen.

Bei dieser Therapie wird die Katze winzigen Dosen des Allergens ausgesetzt. Diese Dosen werden schrittweise erhöht. Ziel der Hyposensibilisierung ist, dass das Immunsystem der Katze sich an das Allergen gewöhnt und nicht mehr mit Entzündungen darauf reagiert.
Katzen, bei denen das auslösende Allergen nicht durch einen Test festgestellt wurde, können natürlich auch nicht hyposensibilisiert werden. Bei ihnen bekämpft der Tierarzt vor allem die Atemnot und die Entzündungssymptome. Die Atemnot behandelt er mit Mitteln, die krampflösend wirken und die Bronchien weiten. Die allergische Entzündung der Bronchien unterdrückt der Tierarzt mit Kortikosteroiden, Medikamenten, die verwandt mit Kortison sind. Beide Arzneimittelarten muss die Katze regelmäßig und meist auch ein Leben lang erhalten, um lebensbedrohlichen Asthmaanfällen vorzubeugen.

In der Regel verträgt die Katze diese Theapie sehr gut und hat keine oder kaum Probleme mit Nebenwirkungen. Allerdings kann es eine Weile dauern, bis der Tierarzt die richtigen Medikamente und deren richtige Dosierung individuell ermittelt hat.

Wichtig ist es, die Atemnot beim akuten und schweren Asthmaanfall zu lindern. Dies ist in der Regel nur mit schnell wirksamen Medikamenten möglich, die gespritzt werden müssen.

Halter asthmatischer Katzen sollten ihren Tierarzt bitten, ihnen ein solches Medikament, möglichst bereits in der richtigen Dosierung (evtl. aufgezogene Spritze), mitzugeben und ihnen die richtige Spritztechnik zu zeigen. Das SelbstSpritzen im Notfall soll aber nur eine lebenserhaltende Maßnahme sein, sie ersetzt auf keinen Fall den anschließenden Besuch beim Tierarzt.

Barbara Welsch, Tierärztin

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